Thailand seit den 80ern – Teil 2

FAhrrad

In der sehr freundlichen und informativen Facebook-Gruppe „Thailand erleben und genießen“ verfolgte ich einen Post. Silke hatte nach „deinem ersten Mal Thailand“ gefragt. Die Antworten haben mich extrem neugierig gemacht. Also habe ich nachgefragt.

Hier ist der zweite Teil der Antworten, die mir echte Thailand-Fans gegeben haben. Weitere Teile findest du bei Klick:


Teil 1

Teil 2

Teil 3

  • Renate – die nicht mehr nach Thailand reist
  • Stefan – Thailand hat mich nie mehr losgelassen

Meine Fragen

  • Was hat dich so gereizt an Thailand, dass du die für damalige Verhältnisse lange Reise auf dich genommen hast? Wieso gerade Thailand?
  • Was waren anfangs deine intensivsten Eindrücke?
  • Was vermisst du aus den 80ern oder 90ern?
  • Welche sind für dich persönlich die größten Veränderungen? Also jene, die dich persönlich betreffen. Was hat sich verbessert zu damals?
  • Sprichst du Thai? Wann und wie hast du angefangen Thai zu lernen? Was hat dir das gebracht?
  • Was ist dein persönlicher Tipp für Thailand-Neulinge?
  • Welcher Reise-Typ warst / bist du?

Die Antworten


Markus Munz – der respektvolle Auswanderer, den anfangs die Exotik begeistert hat

Zu meiner Person. Ich bin 56 Jahre alt und lebe mit Frau und Sohn seit 2011 fest in Thailand. Seither war ich nicht mehr in Deutschland. Wir betreiben hier mehrere Kautschukplantagen, die von unseren Mitarbeitern bewirtschaftet werden.

Warum ich anno 1986 zum ersten Mal nach Thailand kam?
Nun, ich bereiste 1985 mit Rucksack und Zelt für 6 Wochen Neuseeland. Nachdem ich zuvor „nur“ in Europa unterwegs war. Das weckte in mir das Reisefieber und ich wollte die ganze Welt entdecken. Mein Bruder, der einen Bekannten hatte, der zu der Zeit als Entwicklungshelfer in Thailand tätig war, war bereits im Jahr zuvor hier und total begeistert. Also bedurfte es nicht viel Überredungskunst und ich beschloss im kommenden Jahr mitzufahren. Wollte ja sowieso die Welt entdecken. Thailand klang exotisch, fremdartig und interessant. Viel mehr wusste ich eigentlich gar nicht über das Land. Nächstes mal geht es dann wieder woanders hin, dachte ich damals. Kam aber ganz anders.

Ich war in der Zwischenzeit auch in anderen Ländern, habe den Südwesten der USA wochenlang mit einem eigens gekauften Auto durchkreuzt, in Nationalparks gecampt, in Motels geschlafen oder bei Bekannten gewohnt, die als US Militärangehörige in unserer Region stationiert waren. Habe in Kanada (British Columbia) Vancouver besucht und auf dem Fraser River Lachse gefischt. Habe Sri Lanka gesehen. All das waren tolle Erlebnisse, doch wenn ich ein Jahr nicht in Thailand war, fehlte mir was.

Meine intensivsten Eindrücke?
Es war eine ganze Flut von Eindrücken. Es war 1986 und ich ein 23-jähriger junger Bursche aus der Provinz. Ich war überwältigt. Das Wetter. Klar! Shorts und Flip-Flops. Mehr brauchte man nicht. War man mal im Nachtleben unterwegs, wurde man an jeder Ecke von den Schönheiten des Landes bezirzt. Wahnsinn. Der Verkehr völlig anarchisch. Jeder fährt, wie er will, und trotzdem funktioniert es. Die Menschen. So exotisch wie ihre Sprache, aber alle extrem nett. Immer ein Lächeln. Ganz das Gegenteil zu Deutschland. Alles war viel lockerer und entspannter.

Als Ausländer war man, je nach dem wo man hinkam, noch eine Attraktion. Und wir waren fast ausschließlich auf abgelegenen Wegen unterwegs. Die roten Linienbusse waren das Transportmittel der Wahl. Aircondition gelegentlich, Zug seltener, Fliegen die absolute Ausnahme. Ich hatte natürlich das Glück, dass meine Mitreisenden schon Erfahrung hatten und dadurch auch engeren Kontakt zu Einheimischen. Auch nicht zu vergessen die verschiedenen Landschaften. Herrlich abgelegene, einsame Strände und Inseln, die heute vom Massentourismus überrannt sind.

Wir fuhren mit dem Bus z. B. nach Loei und Chiang Khan. Auf die Frage einer Ticketverkäuferin in Bangkok, „Was wir denn dort wollen? Da ist doch nichts.“, war unsere Antwort: Genau deswegen! So könnte ich noch viele Beispiele aufzählen. Kurz um. Ich war fasziniert. Und so wuchs in mir damals schon der Wunsch, einmal in diesem Land leben zu wollen.

Bild von Markus – Chiang Khan in den 80ern

Was ich aus der Zeit vermisse?
Nichts! Die Erde dreht sich weiter. Ist halt so. Klar die Strände waren leerer, manches noch uriger. Es bringt nichts, der Vergangenheit nachzuhängen. Ich lebe heute in einem ländlichen Teil Thailands, wo Mensch und Natur sich noch etwas bewahrt haben, was mich viel an damals erinnert. Das genügt.

Die größten persönlichen Veränderungen?
Dass ich heute da lebe, wo ich hinwollte. Allerdings ohne die berufliche und soziale Absicherung. Früher als Arbeitnehmer war jeden Monat pünktlich das Geld da. War man krank, ging man zum Arzt. Die Krankenkasse zahlt ja und zur Not war man auch noch Arbeitslosenversichert. Heute trage ich/wir diese Risiken, die uns der Staat abgenommen hat, alle selbst. Läuft es auf der Farm rund? Krankenversicherung selbst abschließen! Eigentlich ein komplett anderes Leben als vor unserer Ausreise.

Sprichst du Thai?
Ich würde sagen einigermaßen. Manche Einheimische sagen mein Thai wäre sehr gut, was aber sicher nur ihrer Höflichkeit entstammt. Leider habe ich es bis heute nicht geschafft, mir das Lesen und Schreiben beizubringen. Pure Faulheit. Immerhin reicht es um z.B. auf dem Kautschukmarkt, wo garantiert keiner Englisch spricht, ja kaum Thai, ich mich alleine durchschlagen kann. Nicht nur die üblichen Floskeln, sondern auch Gespräche über das tägliche Geschäft. Ich spreche auch ein wenig Isan, was dem Laotischen sehr nahe ist. Das beschert mir sicherlich bei mancher Unterhaltung mit der lokalen Bevölkerung etliche Pluspunkte.

Die ersten Worte auf Thai habe ich schon bei meinem ersten Besuch hier erlernt. Wir hatten damals einen Kauderwelsch Sprachführer dabei und haben abends beim Bier oder sonst was versucht, ein paar Brocken zu lernen. So waren die Zahlen mit das Erste, was ich konnte. Von 1 bis eine Million. No Problem. Dazu viel Kontakt zu Einheimischen und letztendlich natürlich meine Frau. Wir haben auch während unserer gemeinsamen Zeit in Deutschland und Frankreich zuhause Thai gesprochen. Zusammen mit Deutsch und etwas Französisch. Daher konnte unser Sohn auch fließend Thai als wir hierherzogen, was bei der Einschulung ein großer Vorteil war. Auch heute noch sprechen wir zuhause vorwiegend Deutsch. So spricht unser Junior neben Thai, Isan-Dialekt auch Englisch (Schule) auch fließend Deutsch (mit leichtem Saarländischen Akzent).

Mein Tip an Neulinge?
Neben den üblichen Anstandsregeln: lernt ein paar Worte Thai und sei es noch so wenig oder falsch. Das eröffnet ganz neue Welten. Entspannt euch und versucht eure Europäische Denkweise abzulegen. Hier tickt die Uhr anders. Bleibt locker und geht auf die Leute zu, denn die sind euch gegenüber genauso unsicher. Läufts mal anders als geplant, mai pen rai. Legt keinen heimatlichen Maßstab an. Wir können und WOLLEN Thailand nicht nach unseren Wünschen verändern. Was hier zählt ist sanuk (Spaß). Passiert euch ein Ungeschick, lächelt es weg falls möglich. Ein Unding: Anschreien. Auch in Thailand: Kleider machen Leute.


Franz – hat in den letzten 30 Jahren Südostasien erkundet, auch mit dem Rad

Was hat dich so gereizt an Thailand?
Ich bin in den letzten gut 30 Jahren jeweils für 4 Wochen in Südostasien gewesen, meist im Januar/Februar. Dabei habe ich fast alle Länder besucht, bis auf Myanmar und Brunei. Der erste Trip ging übrigens pauschal nach Sri Lanka.

Meine jetzige Lebensgefährtin ist kein Fan von Fernreisen und schon gar nicht vom Radfahren in den Tropen, hat aber auch kein Problem damit, dass ich alleine unterwegs bin. [ Kommentar von Stefan: Franz bereist Thailand mit dem Rad. Er hat mir bei der Suche nach einer Route von Chiang Rai nach Mae Sai geholfen. ]

Auf Thailand bin ich aufmerksam geworden durch die Reise eines Studienkollegen, der etwas Geld geerbt hatte und damit dann ein halbes Jahr auf Koh Samui hängengeblieben ist. Die Fotos von Palmenstränden und einfachen Bambushütten am Chaweng Beach haben so ein wenig Fernweh bei mir ausgelöst.
1988 war ich dann zum ersten Mal mit meiner damaligen Partnerin im Land, allerdings wieder pauschal und in Krabi. Koh Samui wurde es dann einige Jahre später, jetzt individuell.

Was waren anfangs deine intensivsten Eindrücke?

An Thailand hat mir besonders die Natur gefallen, vor allem das satte Grün nach dem Grau unseres Winters. Die Freundlichkeit der Menschen, das einfache und sichere Reisen, das sehr gute Essen und natürlich die günstigen Preise. Wobei man sagen muss, dass Vieles davon auch für die anderen Länder in der Region zutrifft.

Was vermisst du aus den 80ern oder 90ern?
Was ich an den alten Zeiten vermisse, ist die Kommunikation mit anderen Reisenden und die Besitzergeführten Resorts oder Gästehäuser. Als Beispiel sei genannt, dass in Krabi ein Australier jeden Abend einen langen Tisch vor seinem Laden aufstellte. Dort war dann jeder gern gesehen und man unterhielt sich, nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und verbrachte einen schönen Abend. Nebenbei erfuhr man viel übers Land und Reisen allgemein. Heute schaut jeder nur auf sein Smartphone!

Gerade im Süden haben viele Resort-Besitzer ihr Land verkauft und es sind viele anonyme Hotelbauten entstanden, hauptsächlich für Pauschaltouristen. Da fühle ich mich nicht mehr wohl, zumal auch die verbliebenen Individualvermieter den Wert des Geldes erkannt haben. Ausnahmen mag es geben, aber die werden immer seltener.

Da ich mich mittlerweile fast nur noch im Norden und Osten aufhalte, sehe ich hier diese Entwicklung weniger dramatisch, das heißt es gibt sie noch, die netten Besitzer, die nicht nur auf den Baht schauen.

Auch die Massen von Touristen finde ich manchmal erschreckend, gerade in Chiang Mai, wo ich häufig bin. Die Sunday Walking Street ist ein einziges Geschiebe und Gedrängel. Und in einigen meiner Lieblingsrestaurants ist es schwer abends einen Tisch zu ergattern.

Was hat sich verbessert zu damals?
Fliegen kann man fast überall hin, die Straßen sind in einem guten Zustand für Fahrradfahrer. Verglichen mit der „Fahrradstadt“ Münster sogar in einem sehr guten Zustand.

Außerdem scheint mir der durchschnittliche Lebensstandard der Thais deutlich gewachsen zu sein. Ich mache das mal an der Qualität der Häuser fest, die man bei der Fahrt über Land doch so sieht. Früher gab es deutlich mehr ärmliche Behausungen, um nicht schäbige Hütten zu sagen.

Für mich persönlich ist positiv, dass man mittlerweile fast überall ein gutes Rad mieten kann. Auch dass viele Thais (Renn-)Rad fahren und man so Kontakte und Mitfahrer bekommt.

Radfahrer in Cha Am Thailand 1986
Ein Schweizer Paar, das ich 1986 in Cha Am getroffen habe, auf dem Weg nach Bangkok. 3 Monate später traf ich sie wieder – am Lake Toba auf Sumatra.

Sprichst du Thai?
Meine Thaisprachkenntnisse halten sich in Grenzen. Kann mich verständigen, also nach dem Weg fragen, Bestellungen aufgeben etc. Für eine richtige Konversation reicht’s nicht. Ist ein wenig schade, gerade in der Provinz, wo kaum jemand Englisch spricht.

Was ist dein persönlicher Tipp für Thailand-Neulinge?
Mein unbedingter Tipp für Thailandneulinge: Schaut vorher in einen Reiseführer! Sei es ein Buch oder eine Webseite. Ich empfehle „Travelfish“. In Englisch https://www.travelfish.org/country/thailand


Herzlichen Dank an die Thailand-Fans für die Beantwortung meiner Fragen.

Wenn du auch zu dieser Serie beitragen möchtest, dann schreib mir doch einfach: stefan ]ät[ stefaninthailand.de oder hinterlasse einen Kommentar. Ich freue mich sehr über weitere Geschichten und Anregungen. Aber auch Kritik gegenüber bin ich offen – wenn sie respektvoll geäußert wird.

2 thoughts on “Thailand seit den 80ern – Teil 2

  1. Das ist schön und der Realität entsprechend geschrieben. Genau so ist es mir widerfahren. Ich lebe auch im Isaan, in der Provinz Khon Kaen, an der Hügelzone zur Provinz Chaiyaphum.
    Auch mit den Fahrrädern sind wir, meine Frau und ich, oftmals mit einigen Thaikollegen und Kolleginnen zusammen, unterwegs.
    Wir haben den ganzen in den letzte 6 Jahren entstandenen Radlerboom hautnah miterleben dürfen.
    Für uns, besonders für mich, ist es immer wieder ein Erlebnis, ein besonderes Feeling, meist in den eher frühen Morgenstunden durch die Dörfer zu radeln, das Tun und Wirken der Einheimischen zu sehen, die Natur, Tiere, Flora und Fauna.
    Zu 60 – 70 % sind wir meist auf Feld-und Farmwegen, also abseits des Strassenverkehrs unterwegs.
    Ich habe mich in den letzten 12 Jahren wo ich hier fest lebe sehr gut angewöhnt und angepasst. Auch ich war seither nie mehr in der Schweiz und vermisse diese, ausser manchmal im Winter, nicht.
    Gruss Wini Baumgartner

    1. Hallo Wini,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich warte ja immer noch darauf, dass sich unsere Wege mal kreuzen. Ich muss doch mal eine Radtour in deine Richtung starten.
      Herzliche Grüße
      Stefan

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