Mein staunender Blick auf das Sanctuary of Truth Pattaya

Schon bei einem Besuch des Ancient Siam im letzten Jahr war ich begeistert von dem Modell des komplett aus Holz gebauten Gebäudes. Nun war ich in der Nähe und wollte es unbedingt in voller Größe sehen, erkunden und spüren. Immerhin ist dieses „Schloss“ über 100 Meter hoch und genauso lang und breit.

Das Ziel des Sanctuary of Truth in Pattaya ist, mit seiner Kunst die Bedeutung religiöser Philosophien aufzuzeigen, die den Menschen lehren, Gutes zu tun und Schlechtes zu vermeiden. Wikipedia nennt es ein Denkmal und meint, es wäre der größte Holzkomplex in Thailand, erbaut in der Architektur der Rattanakosin-Periode. Prima, lass uns das mal anschauen.


Erstmal Enttäuschung

Natürlich bin ich mit dem Fahrrad hingefahren – und war erstmal enttäuscht als ich durch das Tor in der mittelalterlich wirkenden Mauer fuhr. Der erste Eindruck war, ja, irgendwie leer. Parkplatz mit einem unscheinbaren überdachten Bereich, wo ich meinen Eintritt zahlen sollte. Und das soll das super tolle, riesengroße Holzschloss sein?

Ein Platz mit Ponys zum Reiten, ein paar Kletterelemente für Schulklassen und die unabdingbaren Kioske wirkten allesamt fantasielos, fast schon ungepflegt.


Dann der erste Blick auf das Sanctuary of Truth

Dies verstärkte dann allerdings den Kontrast, als ich zum ersten Mal vom Treffpunkt für die Führungen auf den tempelartigen Holzkonstrukt blickte. Das Sanctuary of Truth ist direkt am Stand gebaut. Meer und Horizont bildeten eine perfekte Kulisse für die unendlich vielfältig geschnitzten Träger und geschwungenen Dächer. Figuren aus der Mythologie schwebten über den Spitzen und Dächern als wollten sie über das Meer zum Himmel fliegen. Im Gegensatz dazu wirkte der Bau schwer. Alles ist mit Schnitzereien verziert, was erstmal eher mächtig als filigran wirkt.

Unsere Führerin leitete uns zunächst durch die Werkstätten, wo Elemente bearbeitet werden, die später im Inneren eingebaut werden sollen. Auf unserem Weg halb um das Gebäude herum musste ich immer wieder stehen bleiben. Viel zu viel gab es zu entdecken, als dass ich ihr einfach hätte folgen können.

Besonderheiten


Die verschiedenen Hartholzarten werden vor dem Einbau mit Säuren behandelt, um sie gegen schädliche Umwelteinflüsse von Meer und Termiten zu schützen.

Nur während der Konstruktion werden Metallverbindungen verwendet. Im fertigen Zustand ist die ganze Struktur ohne Metall nur mit klassischen Verbindungstechniken wie Nut- und Feder-, Keil- und Stoßverbindungen sowie Schwalbenschwänze und dergleichen aufgebaut.

Für den Hauptträger wurde 600 Jahre altes Takienholz verwendet.

Ähnlich wie der weiße Tempel in Chiang Rai (oder auch die Sagrada Familia in Barcelona) ist das Ganze noch in Bau und wird es auch noch eine Weile sein. Zu detailliert sind die Schnitzereien, als dass sie selbst mit diesen Dutzenden von Kunsthandwerkern schnell zu schaffen sind.

An einer Seite schauen große Gesichter um einen pagodenartigen Turm in die 4 Himmelsrichtungen. Das erinnert mich stark an Angkor Wat. Kein Wunder, wurden wir doch aufgeklärt, dass die Gestaltung dieses Teils kambodschanisch beeinflusst ist, wie andere Teile chinesisch oder nordthailändisch.


Visueller Overload

Im Inneren war ich überwältigt von der schieren Größe und den unendlich vielen, unterschiedlichen Verzierungen. Ein Dom aus Holz. In vielen Bereichen standen Gerüste. Es wurde gehämmert und geschliffen. Im Hintergrund lief eine Art Meditationsmusik. Ich hörte den Erklärungen zu den vier Hauptelementen in der Eingangshalle, nur mit halbem Ohr zu.

Auch den Beschreibungen der Bodhisattvas – Erleuchtete – aus der chinesischen Geschichte folgte ich nicht mit voller Aufmerksamkeit. Obwohl ich mit Guanyin eine alte Bekannte aus Chiang Rai traf, war ich viel zu abgelenkt durch den visuellen Overload.  

Fast schon am Schluss traf es mich dann. Der große Thron – eigentlich eine Art Pavillion – in der Mitte der Anlage berührte mich tief. In all dieser Pracht ist nämlich das Innere dieser Ruhestätte für Buddha-Reliquien vollkommen schlicht und ohne Verzierung. Das soll verdeutlichen, dass wir nackt von dieser Welt gehen. Wir können nichts mitnehmen, wenn wir sterben. Im Sinne der Lehren Buddhas die Leere des Universums oder das Nirvana.


Sinn und Botschaft der Initiatoren

Ich hatte großes Glück. Am Ende der knapp einstündigen Führung begann die Mittagspause. Die während der Corona-Pandemie eh schon wenigen Besucher verließen mit den Arbeitern das Gebäude. Ich blieb in der Ruhe zurück und konnte Alles noch mal ausgiebig auf mich wirken lassen.

Das Sanctuary of Truth soll eine Botschaft sein, eine Schule für unsere innere Ausrichtung und eine Schule für den Frieden in uns. So hat Alles, was hier zu sehen ist, eine Bedeutung. Jedes Relief, jede Säule und jede Statue soll uns inspirieren, zum Nachdenken und zum Hinspüren bringen.

1981 begannen die Gründer Lek Viriyahbhun und seine Frau Prapai mit dem Bau. Sie hatten erkannt, dass sich schnell entwickelnde Technologie und Globalisierung, Ringen um Wohlstand und sozialen Status enormen Druck ausüben auf uns. So verschwindet allmählich der Sinn des Lebens und Chaos beginnt. Durch die Kunst des Sanctuary of Truth wollten sie einer zukünftigen Generation zeigen, dass sie immer noch in Frieden leben kann, indem sie sich der Natur des menschlichen Lebens zuwendet.

Die vier verschiedenen Räume regen an, sich mit folgendem zu beschäftigen:

  • Die vier Element – auf Wasser, Feuer, Erde und Luft basiert alles Leben.
  • Soziales und Spirituelles Wachstum – dem Mahayana Buddhismus folgend können sich Menschen weiterentwickeln, indem sie Gutes tun.
  • Astrologie – Sonne, Mond und Planeten haben einen Einfluss auf das menschliche Leben.
  • Uneigennützige Liebe durch Mutter und Vater – unterscheidet uns von anderen Lebewesen und erzeugt Dankbarkeit.

Und? Erreicht das Sanctuary of Truth sein Ziel?

Als ich mich während des Rundgangs umschaute, sah ich vor allem Touristen, die sich für Selfies in Posen warfen oder relativ schnell von Halle zu Halle liefen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier jemand innehielt oder sich von der Botschaft der Anlage berühren ließ. Aber wer kann schon in Menschen hineinschauen?

Eine große Gruppe etwa 11- bis 12-jähriger Schüler, von strengen Lehrern in Zaum gehalten, kam nach mir hinein. Was die wohl mitnehmen von diesem Ort, der zu einem besseren Leben in Harmonie mit der Natur des Lebens anregen will?

Mich hat dieser Ort berührt. Etwas ist hängengeblieben. Ich bin nicht nur beeindruckt von der Kraft der Vision der Gründer, sondern auch von einer Botschaft, die mir aktueller denn je erscheint. Wenn nur jeder Besucher und jede Besucherin ein bisschen davon mitnimmt, wird die Welt wieder ein klein wenig besser.

Ich weiß, ich bin ein unverbesserlicher Optimist, manchmal sogar hin bis zur Naivität.


Wichtig zu wissen


  • Eintritt 500,- Baht
  • Führungen in 4 verschiedenen Sprachen – Thai, Chinesisch, Englisch, Russisch – im Eintrittspreis inbegriffen jede Stunde zwischen 9 und 15 Uhr plus einer letzten um 16.30 Uhr.
  • Witzigerweise müssen im Inneren Helme getragen werden, weil es sich um eine Baustelle handelt.

Wie hinkommen?

Das Sancuary of Truth liegt in Pattaya am Rachvate Kap nördlich vom Pattaya Beach im Stadtteil Naklua. Ca. 120 km vom Suvarnabhumi Airport entfernt. Von dort sowie vom Ekamai Bus Terminal gibt es durchgehende Busse und Minivans nach Pattaya.

Radfahrer können die Anlage auf meiner Radtour in Pattaya finden. Reisende mit eigenem Fahrzeug folgen z.B. Google Maps und der Beschilderung vom Highway No 3 aus. Songthaews halten in der etwa 1,5 km entfernten Naklua-Pattaya-Road. Motorrad-Taxis und normale Taxis lassen sich leicht finden.

Die offizielle Adresse lautet:

206/2 M00 5 Soi Naklua12
Naklua, Banglamung, Chonburi 20150


Das könnte dich auch interessieren:


Die schönsten Ausflugsziele in Chiang Rai: Sehenswürdigkeiten Chiang Rai

3 kostenlose Kreditkarten im Test: Die beste Kreditkarte für Thailand – die Santander ist es nicht.

Meine Tipps für dich: 10 Wege zum Thai lernen

3 Kommentare zu „Mein staunender Blick auf das Sanctuary of Truth Pattaya“

  1. Hallo Stefan,

    der sieht aber wirklich sehr interessant aus…tolle Beschreibung….sollte ich mal wieder nach Thailand gehen, steht der auf jeden Fall auf meiner Liste….

    Geniesse das leckere Essen….

    LG Heike

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Scroll to Top