Stefan Wagner sitzt auf einer Terrasse mit Blick auf den Doi Tung.

Nach Thailand auswandern? 10 Fragen, die du dir vorab ehrlich beantworten solltest

Den Lebensabend in Thailand verbringen? Davon träumen nicht nur Rentner und Pensionäre. Auch etliche Menschen am Ende ihres Berufslebens ziehen das ernsthaft in Betracht. Neben all den schönen Bildern im Kopf halte ich einen ehrlichen Reality Check für extrem wichtig. Genau dabei will ich dich unterstützen, mit ein paar wesentlichen Fragen. Also nutze die Chance und sei ehrlich zu dir selbst. Niemand außer dir liest deine Antworten.

Eine Sache setze ich dabei schon voraus: dass du bereits einmal länger oder zumindest öfters in Thailand warst, und nicht nur zwei Wochen im Urlaub über Weihnachten und Neujahr. Wer das Land vor allem von der Pool-Liege oder aus dem Hotelbuffet kennt, kann sich die folgenden Fragen kaum ehrlich beantworten.

Meine Fragen sind vor allem nach der ersten Euphorie wichtig, also dann, wenn die Grundidee schon feststeht, aber bevor konkrete Schritte wie der Visumantrag oder die Wohnungssuche starten. Sie dienen als Realitäts-Check zwischen Wunsch und Machbarkeit, quasi als Filter zwischen Traum und Plan.

Zu Visum, Kosten und Leben in Thailand gebe ich dir auch weiterhin Input. Am einfachsten bleibst du über meinen Newsletter auf dem Laufenden. Und wenn du gerade erst einsteigst, wirf auch einen Blick in meine anderen Artikel zum Thema Auswandern nach Thailand (im Menü unter „Auswandern nach Thailand“).


1. Warum genau willst du auswandern?

Ist dein Motiv stark genug, um auch Rückschläge und schlechte Tage auszuhalten? Und glaub mir, die wird es geben. Es macht einen großen Unterschied, ob du vor etwas fliehst, zum Beispiel vor grauem Wetter, Einsamkeit oder Unzufriedenheit im Alltag, oder ob du dich bewusst für Thailand als Ort entscheidest, unabhängig davon, was du hinter dir lässt.

Ein Fluchtmotiv bricht beim ersten größeren Rückschlag oft in sich zusammen, weil das eigentliche Problem einfach mitgereist ist, denn wir nehmen uns beim Auswandern selbst mit. Eine bewusste Entscheidung trägt dagegen auch dann noch, wenn sich ein Behördengang in die Länge zieht, der Regen gerade mal wieder nervt oder die Sehnsucht nach der Heimat größer wird als gedacht.


2. Erfüllst du überhaupt die Voraussetzungen für ein Ruhestandsvisum?

Formal ist das die Basis von allem: ein Mindestalter, meist ab 50 Jahren, und ein Nachweis deiner finanziellen Mittel. Das geht entweder über ein monatliches Einkommen von aktuell umgerechnet etwa 1.700 Euro oder über ein Guthaben von rund 20.000 Euro fest auf einem thailändischen Bankkonto. Diese Beträge und Regeln ändern sich immer wieder, und der Wechselkurs macht ohnehin einen Unterschied. Prüf die aktuellen Zahlen deshalb direkt bei der zuständigen thailändischen Botschaft oder einem Konsulat, bevor du planst.

Wichtig dabei: Die Voraussetzungen musst du nicht nur einmal erfüllen, sondern jedes Jahr aufs Neue nachweisen. Wer nur knapp über der Grenze liegt, hat bei Kursschwankungen oder gestiegenen Anforderungen kaum Puffer.


3. Reicht deine Rente oder Pension auch, wenn die Lebenshaltungskosten in Thailand steigen?

Die Summe, die für dein Visum reicht, sagt noch nichts darüber aus, ob sich dein Alltag dauerhaft gut finanzieren lässt. Rechne nicht nur mit den heutigen, oft sehr günstigen Preisen, sondern auch mit steigenden Kosten über die Jahre, gerade bei Miete und medizinischer Versorgung. Halten deine Ersparnisse länger als zehn Jahre, wenn es hart auf hart kommt?

Das betrifft besonders unerwartete finanzielle Ereignisse wie hohe zusätzliche medizinische Kosten. Hast du einen Notfallpuffer, der auch dann noch reicht, wenn gleich mehrere Dinge gleichzeitig schiefgehen? Langfristplanung statt Momentaufnahme, das ist hier das Stichwort.


4. Bist du bereit, die jährlichen Verlängerungen, Meldepflichten und den Papierkram dauerhaft auf dich zu nehmen?

Unterschätze den bürokratischen Alltag in Thailand nicht. Die jährliche Verlängerung deines Aufenthalts, die 90-Tage-Meldung und die erneuten Finanznachweise sind keine einmalige Hürde, sondern ein fester Begleiter deines gesamten Aufenthalts. Dazu kommt, dass sich Anforderungen und Abläufe zwischen den einzelnen Ämtern vor Ort durchaus unterscheiden können.

Das kann sehr nervig sein, gerade wenn du aus einem Land kommst, in dem Behördengänge weitgehend planbar und einheitlich ablaufen. Frag dich ehrlich, ob du diesen Papierkram auch noch in zehn oder zwanzig Jahren gelassen erledigen willst, oder ob er dich mit der Zeit zermürbt.


5. Verträgt dein Körper dauerhafte Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit, besonders bei bestehenden Vorerkrankungen?

Ein Urlaub im tropischen Klima fühlt sich oft angenehm an, ein dauerhaftes Leben darin ist etwas anderes. Wer gesundheitliche Vorbelastungen bei Kreislauf oder Atmung hat, sollte das ehrlich mit einem Arzt besprechen. Im Norden, etwa rund um Chiang Mai, kommt in bestimmten Monaten noch die Belastung durch Smog von Feldbränden hinzu.

Hast du schon einmal eine komplette Hitzeperiode dort erlebt, nicht nur die angenehmere kühle Saison? Genau diese Erfahrung sagt mehr über deine Verträglichkeit aus als jeder Wetterbericht.


6. Bist du bereit, in Thailand zu sterben, oder willst du dann doch lieber in die Heimat zurück?

Wenn du in aller Konsequenz auswanderst, gehört meiner Meinung nach auch dieses unbeliebte Thema dazu. Wir drücken uns gerne davor, aber es ist wichtig. Wenn du dazu nicht bereit bist, brauchst du einen Plan B oder, wie man heute sagt, eine Exit-Strategie.

Allerdings ist auch hier Realismus nötig. Manchmal steht so ein Zustand plötzlich und unerwartet vor der Tür, in einem Moment, in dem eine Reise gar nicht mehr möglich ist. Wichtig ist deshalb weniger ein perfekter Plan als eine ehrliche Auseinandersetzung damit, was du willst, und dass du diese Wünsche mit deiner Familie besprochen hast.


7. Thais ticken anders. Kannst du einer anderen Lebensweise gegenüber tolerant sein, oder wird das ewig ein Reizthema bleiben?

Bist du bereit zu akzeptieren, dass im Alltag oft nicht alles sofort verstanden oder erledigt wird, geschweige denn so, wie du es in Deutschland, der Schweiz oder Österreich gewohnt warst? Kannst du mit einer ungewohnten Kultur und fremd wirkendem Verhaltenskodex umgehen? Dich im Idealfall anpassen? Thais sind sehr freundlich, haben aber zum Beispiel ein anderes Zeitverständnis und legen viel Wert auf Harmonie statt auf direkte Konfrontation. Höflichkeit und Respekt findet Ausdruck in vielen alltäglichen Gesten.

Das kann anfangs charmant wirken und mit der Zeit anstrengend werden, wenn du ständig gegen deine eigenen Erwartungen ankämpfst. Frustrationstoleranz ist hier das Schlüsselwort, und die entwickelt sich nicht von selbst, sondern nur durch ehrliche Auseinandersetzung mit dir selbst.


8. Wie wichtig ist es dir, die Sprache zumindest in Grundzügen zu lernen?

Im Alltag und erst recht im Notfall macht es einen enormen Unterschied, ob du dich zumindest ein wenig auf Thai verständigen kannst. Mit Englisch kommst du in touristischen Gegenden weit. In ländlichen Gebieten mit günstigen Lebenshaltungskosten wird selten English gesprochen.

Sprache bedeutet soziale Kontakte. Du musst dafür Thai nicht perfekt beherrschen. Schon Grundlagen öffnen Türen und zeigen deinem Umfeld, dass du dich wirklich einlassen willst. Wie du am besten einsteigst, findest du bei 10 Wege Thai zu lernen.


9. Wie wichtig ist dir der Zugang zu vertrauten Dingen wie bestimmten Lebensmitteln, Medien oder deutschsprachigen Ärzten?

Manche Menschen brauchen dieses Stück Heimat als Anker, andere lassen sich lieber ganz auf das lokale Leben ein. Beides ist völlig okay, aber du solltest wissen, wo du selbst stehst, bevor du deine Wohnregion wählst.

Orte mit großer deutschsprachiger oder internationaler Community bieten dir mehr von diesem Anker, kosten aber meist auch mehr und halten dich eher in einer Art Blase. Wer sich stärker auf das lokale Leben einlässt, zahlt oft weniger, muss dafür aber auch mehr Eigenständigkeit im Alltag mitbringen.

Meinst du es in einem thailändischen Krankenhaus aushalten zu können, wenn du ernsthaft krank bist und dich nicht in deiner Muttersprache verständigen kannst? Was schon in der Heimat herausfordernd ist, wird in der Fremde noch schwieriger. Einsamkeit und Hilflosigkeit können zu einem sehr unangenehmen Gefühl der Ohnmacht führen.


10. Wie gut hältst du Distanz zu Familie, Kindern oder Enkelkindern über längere Zeit aus?

Videotelefonate ersetzen keinen gemeinsamen Sonntag oder einen spontanen Besuch. Wie wichtig ist dir echte, körperliche Nähe zu den Menschen, die dir am meisten bedeuten, und wie gut kommst du damit klar, wichtige Momente nur aus der Ferne mitzuerleben?

Genauso wichtig: Wie willst du neue soziale Kontakte finden, unter anderen Auswanderern oder eher in der lokalen Gesellschaft? Beides passiert nicht von selbst. Ein stabiles soziales Netz entsteht nur, wenn du aktiv darauf zugehst, gerade in den ersten Monaten.


Wichtig

Um das noch einmal deutlich zu sagen: Ich will dir keine Angst machen und dich nicht davon abhalten, in diesem wunderschönen Land zu leben. Ich will dir meine eigene Prüfung dieser Bedingungen zur Verfügung stellen. Für mich gibt es kein Entweder oder, kein Alles oder nichts, sondern die Frage: Wie kann ich meinen Lebensabend sinnvoll und angstfrei gestalten?

Für manche mag das bedeuten, dass sie in ihrer Heimat besser aufgehoben sind. Für mich bedeutet es, dass ich hoffentlich nie auf Gedeih und Verderb hier leben muss, ohne die Wahl zu haben.


Tipp: Stell dir einen ganz normalen, unspektakulären Dienstag in deinem neuen Alltag in Thailand vor. Mach es so realistisch wie möglich, ganz ohne Urlaubsgefühl. Worin unterscheidet sich dieser Tag von deinem jetzigen Alltag? Ist diese Vorstellung realistisch erreichbar? Und ist dieser Zustand so reizvoll, dass sich all die Herausforderungen und Nachteile dafür lohnen?


Wie das bei mir war

Ich lebe seit Mitte 2014 mehr oder weniger fest in Chiang Rai, ganz im Norden Thailands. Gekommen bin ich, um in einer NGO in Mae Sai zu arbeiten, einer gemeinnützigen Organisation für unterprivilegierte Kinder. Geblieben bin ich wegen der Liebe, aber auch wegen der vielen Vorteile, die ein Leben in Thailand bietet. Dabei sehe ich mich nicht als klassischen Auswanderer, setze mich aber immer wieder so ehrlich wie möglich mit den Herausforderungen und den schönen Seiten des Lebens als Ausländer in Thailand auseinander. Auch hier auf STEFANinTHAILAND.

Gleich in meinem ersten Jahr hier lernte ich in unserem kleinen Dorf den Schweizer Auswanderer Peter kennen. Einer seiner ersten Sätze zu mir war: Ich bin schon zwölf Jahre hier, und hier werde ich auch sterben. Das hat mich beeindruckt und lässt mich bis heute nicht los. Seitdem setze ich mich immer wieder damit auseinander, wo ich selbst sterben will.

Bis dahin hoffe ich, noch lange gesund und zufrieden leben zu können, auch um weiter auf STEFANinTHAILAND über das Leben, das Reisen und das Radfahren schreiben zu können.

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Hallo, ich bin Stefan

Seit 2014 lebe ich hauptsächlich in Chiang Rai, der nördlichsten Provinz Thailands.

Hier auf STEFANinTHAILAND berichte ich über Leben, Reisen und Radfahren in Thailand. Neugier und Lust auf Aktivitäten sind meine größte Motivation, um Land und Leute zu erkunden. Vor allem für Chiang Rai werde ich als Experte bezeichnet.

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