Der Berg der schlafenden Frau mit der Tham Luang

Der Mae Sai Loop – eine geniale Runde mit dem Motorrad oder Roller in den Grenzbergen zu Myanmar

Hier in diesem Artikel zeige ich dir meine Lieblingsrunde mit dem Roller, 65 traumhafte Kilometer von Mae Sai über den berühmten Doi Tung und an der Grenze zwischen Myanmar und Thailand entlang zurück. Am Ende des Artikels findest du weiterführende Informationen.

Die meisten Reisenden in Thailand lernen dann Mae Sai kennen, wenn sie einen Visa-Run über die Grenze nach Myanmar machen müssen. Der erste Eindruck von dieser Kleinstadt ist nicht gerade überwältigend. Die übliche grauenvolle Garagenarchitektur der thailändischen Stadthäuser wird nur durch wenige Tempel oder Hotels unterbrochen. Außer einem großen Markt mit billigen chinesischen Produkten und dem Doi Wao Tempel mit einer wunderschönen Aussicht über die Stadt rüber nach Myanmar hat Mae Sai herzlich wenig zu bieten. Das dürfte auch der Grund sein, warum so wenige Reisende ein paar Tage länger bleiben. Dabei bietet die Gegend drumherum wirklich viele lohnenswerte Ausflugsziele.

Also miete dir einen Roller und fahre mit mir den Mae Sai Loop. 

Los geht’s irgendwo an der Hauptstraße, dem Highway No. 1, eventuell sogar direkt an der Grenze nach Tachilek. Denn dort endet unsere Runde. Du fährst Richtung Süden raus aus der Stadt ca. 20 km nach Huay Krai. Anfangs stehen an der Straße viele Verkaufsstände mit Erdbeeren, die im Winter auf den Feldern dahinter wachsen, später werden hauptsächlich leckere Ananas angeboten. Fahre auf der Spur für langsame Fahrzeuge wie Fahrräder und Roller.

Mit dem Scooter auf dem Doi Tung

Rechter Hand hast du Aussicht auf wunderschön grüne Berge. Der über 1400 Meter hohe Doi Nang Noon ragt als erster heraus. Hier, in der Tham Luang, der großen Höhle, fand 2018 das Drama um die Jugendfußballmannschaft statt. Die 13 Jungs, die sich „Mu Pa“, Wildschweine, nannten, wurden von einem internationalen Team von Rettungstauchern nach fast 3 Wochen in einer überfluteten Kammer befreit.

Das Profil dieser schlafenden Frau, um die sich eine alte Geschichte rankt, ist von Huay Krai am besten zu erkennen. Der dritte Gipfel der Reihe, der Doi Tung, ist unser erstes Ziel. Aber lass dich nicht zu sehr von der schönen Aussicht ablenken, denn es kann durchaus sein, dass dir auf deiner Spur jemand entgegenkommt, denn die Fahrweise ist hier im ländlichen Thailand schon anders als in Mitteleuropa.


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In Huay Krai ist der Doi Tung auch schon ausgeschildert. Die große Kreuzung mit Ampeln ist nicht zu übersehen. Folge den grünen Verkehrsschildern und biege nach rechts ab. Kurz vor der Kreuzung ist eine Tankstelle. Schau noch mal, ob du genügend Benzin im Tank hast, denn später wird es schwierig nachzutanken.

Hoch geht’s auf den Doi Tung

Schon wenige Kilometer nach der Kreuzung geht’s hoch. Bleib auf der Straße, die erst durch ein Dorf mit einem üppigen Obst- und Gemüsemarkt (am Abzweig mit der Police Box) führt und dann in schönen Kurven durch üppige Vegetation der Kontur des Berges folgt. Die „neue“ Straße ist hervorragend ausgebaut, damit die Königsfamilie gemütlich hoch fahren kann zur Royal Villa. Da fahren wir auch zuerst hin, halten allerdings wenige Kilometer vorher an einem Parkplatz, wo die Aussicht grandios ist. Bei klarem Wetter kann man über die Ebene bis nach Laos schauen. Das ist übrigens auch ein romantischer Platz um den Vollmond aufgehen zu sehen. An ein paar Ständen verkaufen Akha-Frauen aus dem auf der anderen Straßenseite liegenden Dorf Kaffee, Früchte, Schmuck und Kleidung. Dieses Dorf ist übrigens beim Bau der Royal Villa dorthin verlegt worden um Platz zu machen.

Radfahren am Doi Tung

Wieder auf der Straße biegst du wenige Kilometer weiter an der Kreuzung links ab zum Mae Fah Luang Garden und der Villa. Wenn dir diese Art von Landesgartenschau-Garten gefällt und du auch die Villa besichtigen willst, solltest du dir ein Kombiticket kaufen. In der Villa ist das Leben der Königsmutter dokumentiert, die übrigens ihr zweites Kind in Heidelberg, Deutschland, zur Welt brachte als sie dort studierte. Mae Fah Luang, die „Königliche Mutter aus dem Himmel“, hat viel Zeit verbracht in dem angenehmen Klima hier auf dem Berg und war wegen ihrer karitativen Arbeit vor allem bei den hiesigen Bergvölkern beliebt. Noch heute, über 20 Jahre nach ihrem Tod, finden Veranstaltungen statt, die an sie erinnern sollen. So war ich dabei als jeden Oktober der letzten Jahre über 1000 Radfahrer von Huay Krai auf den Doi Tung fuhren. Das Motto 2015 lautete: „20 Jahre vergangen, wir vergessen nicht.“

Ich trinke hier lieber einen leckeren Kaffee am Doi Tung Coffeeshop und schau den vielen Menschen zu, die hier hochkommen. Es sind wenige Farang, also westliche Ausländer, dabei, dafür umso mehr Chinesen, vor allem aber einheimische Touristen. Am Parkplatz kannst du an Marktständen Produkte aus den umliegenden Bergdörfern kaufen. Vor allem das Volk der Akhas, eine ethische Minderheit, die aus dem tibetanischen und südchinesischen Raum nach Thailand eingewandert ist, siedeln in den umliegenden Bergen.

Um weiter den Mae Sai Loop zu folgen, fährst du zunächst wieder ein Stück zurück bis zu der Kreuzung, wo es rechts runter nach Huay Krai zurück geht. Du fährst jetzt nach links. Bevor die Straße zum Wat Phrathat Doi Tung steil nach rechts abzweigt, kannst du noch mal links an einem Aussichtspunkt anhalten, um über die Gärten des Chiang Rai Plant Research Centers zu schauen. Vielleicht bemerkst du, dass sich auf dem Weg nach oben die Vegetation ändert. Hier auf dem Doi Tung findet sich eine besondere Flora in unterschiedlichen Vegetationsstufen.

Der meditative Glockenweg zum Wat Phrathat Doi Tung

Nach einem besonders steilen Abschnitt ist es ab der nächsten Kreuzung nur noch ein bisschen mehr als ein Kilometer nach rechts bis du den Roller in der Kurve am Fuß einer Treppe abstellst (Achtung, halte nicht am ersten Tempel direkt nach der Kreuzung, sondern fahre noch ein Stück weiter vorbei an einem Steilstück mit fantastischer Aussicht nach links). Du könntest auch ganz hochfahren, aber dann würde dir der schöne Glockenweg und damit auch ein geniales Motiv für Fotos entgehen. Die gefühlt mindestens 100 Glocken musst du alle mit einem Holzknüppel anschlagen. So erlangst du ein längeres Leben. Für mich ist dieses Anschlagen ein sehr meditativer Vorgang. Ich fokussiere mich auf jeden einzelnen Schlag. Jeden Ton nehme ich vollkommen im Jetzt wahr, bevor ich mich dem nächsten zuwende. So komme ich am Ende des Weges frisch und entspannt an. Und das führt mit Sicherheit zu einem längeren Leben.  

Glocken am Wat Doi Tung

Wat Phrathat Doi Tung bietet außer den sehr alten Buddhastatuen und -reliquien auch eine Stupa, die du dreimal im Uhrzeigersinn umrunden kannst. Ziehe dabei aus Respekt vor den buddhistischen Regeln die Schuhe aus. Mir gefällt hier oben besonders der große schwarze Gong, auf dem sich schon viele Gläubige verewigt haben. Der Klang dieses Gongs ist beeindruckend. Probier es aus, aber denke daran, dass du dreimal in der Mitte anschlagen musst.

Gong am Doit Tung

Der Fußweg zum Doi Tung Viewpoint lohnt sich besonders bei klarer Sicht in der Regenzeit, wenn man die laotischen Berge sehen und sogar den Phu Chi Fah erahnen kann. Aber auch in den Wintermonaten bevor die Burning Season beginnt, ist die Ausblick auf die Ebene sehr schön.

Arboretum – Orchideen und Bäume

Mit dem Rollern fährst du zunächst zurück zur Kreuzung und dann geradeaus hoch bis zum nächsten Abzweig nach rechts Richtung Mae Sai. Durch Pinienwälder geht es zum Arboretum, einem Park mit Hunderten von Orchideen und blühenden Büschen. Leider blühen die Orchideen nur einmal im Jahr.

Hinter dem Arboretum beginnt der abenteuerlichere Teil des Mae Sai Loops. Die Straße wird schwieriger (also überlege dir noch mal, ob du nicht den gleichen Weg zurückfahren willst), aber auch spektakulärer. Denn als nächstes passierst du einen thailändischen Militärposten. Hier lohnt sich ein Halt, um die Anlage zu besichtigen und einen weiten Blick hinüber nach Myanmar zu werfen. Die hier stationierten Soldaten pflegen mittlerweile lediglich die Blumen und den Rasen statt den Feind zu beobachten und bei Bedarf auch zu beschießen. Zuletzt vor etwa 10 Jahren gab es hier noch Schusswechsel. Heute sind beide Länder in der ASEAN, der Gemeinschaft südostasiatischer Länder. Bald werden die Grenzen ähnlich wie in der EU geöffnet sein. Nicht weit die Straße hinunter sieht man den Militärposten in Myanmar. Von Einheimischen habe ich gehört, dass sich früher die Soldaten beider Seiten tagsüber bewacht hätten und abends am Lagerfeuer zusammengesessen wären, um Lao Khao zu trinken, den hiesigen Reisschnaps.

Aussichtspunkt bei Mae Sai an der Grenze zu Myanmar
Die Grenze zu Myanmar

Kaffee trinken, wo er angebaut wird

Wir fahren weiter auf dem Bergrücken der grünen Grenze zwischen den beiden Ländern entlang. Hier wird noch geschmuggelt und „ich-möchte-gar-nicht-wissen-was“ über Pfade durch die Berge getragen. Die Straße ist hier deutlich schmaler und steiler. Die Kurven können fies sein und du solltest langsam fahren. Rechter Hand kommt das Akha-Dorf Baan Pha Hee in Sicht. Du solltest hier rechts abbiegen ins Dorf und dich ein wenig umschauen, wie die Menschen hier heute leben. Die Haupteinkommensquelle war früher Opium, heute ist es Kaffee. An den Hängen um das Dorf kannst du große Flächen mit Kaffeebüschen sehen. Der Doi Tung Kaffee hat eine sehr gute Qualität und ist bei Thais sehr beliebt. Mittlerweile ist das Dorf ein beliebter Ausflugsort für kleine Reisegruppen. Als ich 2014 das erste Mal zu Fuß hier hochkam, gab es ein erstes Café. Nun sind es fünf. Die schönste Aussicht gibt es meines Erachtens auf der Dachterrasse des Phu Phahee Coffee.  

Zurück auf der Straße nach Mae Sai hast du auf dem nächsten Abschnitt immer wieder eine tolle Rundumsicht auf die Berglandschaft. Links, also in Myanmar, sind die großen Freiflächen und kahlen Stellen auffallend. Einerseits wird hier viel Brandrodung betrieben, andererseits wird in Thailand viel Holzkohle aus Myanmar verkauft.

Auf dieser Tour passierst du auch zwei Police Checkpoints, wo dich freundliche Thais nach einem kurzen Check durchwinken. Wenn einer mal mutig ist, fragt er „where do you come from“. Es ist leicht mit den jungen Männern ins Gespräch zu kommen, wenn man ein paar Brocken Thai sprechen kann. Ein Aufhänger ist immer ein Foto mit den Uniformierten zu machen. „Tai luub dai mai krab“ bzw. „…kha“ also „Kann ich ein Foto machen?“ zaubert ein zustimmendes Lächeln in die Gesichter und sorgt für geschäftiges Zusammenstellen. Passende Fragen und Antworten für Smalltalk in Thai lernt man übrigens leicht mit dem Thai-Crashkurs. Die 200 wichtigsten Begriffe und Sätze, ein unterhaltsames Video-Training und die cleveren Spickzettel des kompakten Kurses verhelfen in solchen Situationen zum schnellen Erfolgserlebnis. Mehr zum Thema Thai lernen findest du auf dieser Seite.

Nach dem zweiten Police Checkpoint geht’s nur noch bergab. Wenn du dich an der Kreuzung am Stadtrand von Mae Sai links hältst, endet der Loop im großen Tagesmarkt, dem sogenannten Burmesenmarkt direkt an der Grenze nach Tachilek, der Grenzstadt in Myanmar. Die chinesischen Artikel werden ca. 250 km durch Myanmar hierhergebracht. Wenn du dich hier rechts hältst, führt die Straße zur großen Kreuzung eingangs Mae Sai mit dem häßlichen Stundenhotel (Bird) und der Tankstelle.

Während abends der Markt geschlossen wird, werden kurz vor der Dämmerung auf der Hauptstraße die Essensstände aufgebaut. Hier kannst du von Khao Pad (gebratenen Reis) über Gui Tiao (Nudelsuppe) bis hin zum Roti (eine Art süßer Pfannkuchen) vieles von den Gerichten bekommen, für die Thailand so bekannt ist.

Viel Spaß beim Mae Sai Loop. Und lass mal von dir hören, wie es dir gefallen hat.

Hinweis:


Die Straßen durch die Grenzberge sind teilweise sehr steil und anspruchsvoll (aber immerhin durchgehend asphaltiert). Wenn ihr zu zweit seid, braucht ihr auf jeden Fall einen 125er Roller, sonst kann es sein, dass einer absteigen muss. Außerdem solltest du schon Erfahrung mit dem Rollerfahren mitbringen. Für Anfänger ist das nichts.

Für richtig fitte Radfahrer ist die Runde auch geeignet. Wenn du von Mae Sai hochfährst, hast du die steileren Steigungen, aber auch die schönere Abfahrt. Wenn du von Huay Krai nach Mae Sai fährst, solltest du in den steilen Spitzkehren nach dem Militärstützpunkt sehr aufpassen. Oft liegen hier auch kleine Steine.


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