Glücksspiel in Thailand

Geldspiel in Thailand

Gibt’s doch gar nicht! Spielen um Geld ist in Thailand verboten.

Tatsächlich gibt es nur wenige offiziell zugelassene Möglichkeiten um Geld zu spielen, z.B. die staatliche Lotterie und Wetten beim Pferderennen auf dem Royal Turf Club in Bangkok. Erstere ist eher für die normalen Menschen, die sich mit einem Gewinn ihren Traum erfüllen wollen. Letztere ist eher für die Hai So, wie sie in Thai genannt wird. Mitglieder der High Society können eher große Summen verzocken und werden sicher traurig sein, wenn die Pferderennbahn im September geschlossen und später in einen öffentlichen Park umgewandelt wird.

Nun wird sich aber der eine oder die andere aufmerksame Thailand-Urlauberin doch wundern. „Ich hab doch letztes Jahr abends die Männer beim Kartenspiel gesehen. Und da war doch Geld auf dem Tisch gelegen.“

Richtig wahrgenommen. Hier wird um Geld gespielt, mal mehr, mal weniger offen. Mal um mehr, mal um weniger hohe Beträge. So habe ich bei einem Besuch in einem Dorf in den nordthailändischen Bergen nachmittags eine Runde Männer beim Zocken beobachten können. Da stand der Whiskey auf dem Tisch. Die Zigaretten und die Baht-Scheine lagen daneben. Es wurde nicht mit Karten gespielt, sondern mit einer Art chinesischer Majong- oder Rummy-Kub-Steinen. Es ging ernst, aber nicht verbissen, um kleine Summen.

Aber auch beim Muay Thai, dem berühmten thailändischen Kampf mit Fäusten (in Boxhandschuhen), Ellbogen, Knien und Füßen (ohne Schuhe) wird gezockt. Bei kleinen und größeren Kämpfen, bei einem Dorffest auf dem Land oder in den großen Stadien in den Städten, stehen Männer nahe am Ring, wedeln mit Geldscheinen in der Hand und feuern sowohl die Kämpfer an als auch andere Bieter. Öffentlicher geht es nicht mehr, denn die Sonntagskämpfe im Lumphini-Stadion werden im Fernsehen übertragen. Da schaut die ganze Nation drauf.

Wer schon mal die populären Hahnenkämpfe beobachtet hat, kennt diese Szenen auch. Da geht es nicht nur um die Ehre. Da werden auch größere Geldbeträge auf den Favoriten gesetzt. Oder zumindest auf den Hahn, der dafür gehalten wird. Das kann auch schon mal eine Existenz vernichten, wie in der Kurzgeschichte „Hahnenkämpfe“ im Buch „Sightseeing“ von Rattawut Lapcharoensap beschrieben. 

Wer übrigens die stolzen Kampfhähne bewundern möchte – und ihre nicht minder stolzen Besitzer dazu – kann im Chatuchak-Markt in Bangkok in der Tierabteilung welche finden. Aber auch an der Straßenecke neben dem White Temple (Wat Rong Khun) in Chiang Rai sitzen sie immer zusammen und testen auch gerne mal ihre Lieblinge gegeneinander.

Eine weithin sichtbare Auswirkung des Glückspielverbots in Thailand ist am Mekong zwischen dem Goldenen Dreieck und Chiang Khong zu bewundern. Nicht nur in der burmesischen Grenzstadt Tachilek oder an den kambodschanischen Grenzübergängen, auch hier auf der laotischen Flussseite des Mekongs sind große und pompöse Casinos zu bewundern. Goldene Kuppeln und mächtige Säulen werben für die Geldanlage bei Glückspielen wie Roulette und BlackJack, aber auch an „Slot Machines“ wie „Einarmigen Banditen“ und anderen Automaten. Was würden Thailänder wohl sagen zu Online Casinos mit Progressive Jackpots, die besonders in Deutschland auf vielen Webportalen beworben werden? (Das sind Online-Spiele, bei denen ein kleiner Teil des Einsatzes von jedem Spieler einen zusätzlichen Gewinntopf – den Jackpot – befüllt. Wenn nun eine besonders seltene Kombination beim Spiel auftritt oder zufallsgesteuert, wird dieser Topf ausbezahlt). Was würden sie zu Freispielen und Boni sagen? Sie würden ausflippen vor lauter Glück! Die Chance auf Millionengewinne, das ist es, was ein echtes thailändisches Spielerherz höher schlagen und die Augen leuchten lässt. Dabei müssten sie noch nicht einmal ihr gemütliches Zuhause oder ihre Lieblingskneipe verlassen. Alles online möglich. Ein Traum.

Leider nur ein Traum in Thailand. Denn leider verboten. Das kann dann sogar soweit gehen, dass Forex-Trading als Glücksspiel betrachtet wird. Der Handel am Devisenmarkt (Währungsmarkt, FX-Market von Foreign Exchange Market) wird heutzutage online und Software-unterstützt betrieben. Mit einem weltweiten Tagesumsatz von über 5 Billionen Dollar handelt es sich um den größten Finanzmarkt der Welt. Da kann jede Börse einpacken. Und davon wollen sich clevere Spekulanten eine Scheibe abschneiden. Das ist nach der Auffassung der thailändischen Polizei genauso wie Online-Roulette und somit verboten. Mitte August 2018 wurden 19 Personen verhaftet, die eine Webseite betrieben, wo Thailänder bereits über 600 Millionen Baht investiert hatten.

Nun bin ich kein Experte der hiesigen Rechtsprechung. Verstanden habe ich, dass der Devisenumtausch mit Forex um z.B. größere Geldbeträge von Deutschland nach Thailand zu schicken, vollkommen legal ist. Verstanden habe ich aber auch, dass diese spezielle Webseite und die Art und Weise wie Internet-Nutzer beworben wurden, in Thailand als illegal betrachtet wird.

Wie gesagt, eine der wenigen Möglichkeiten hier im Land legal um Geld zu spielen, ist die staatliche Lotterie. Dass das nicht nur Glückssache ist, zeigt die Frau eines Freundes. Sie hat ihr ganz eigenes System, um die richtigen Glückszahlen zu finden. Laut Aussage meines deutschen Freundes wälzt sie dabei tagelang Zahlenkolonnen auf DIN A4-Blättern hin und her – und ist damit richtig erfolgreich. Das entsprechende Los muss bei einem von Hunderten mobiler Lotteriescheinverkäufern gefunden werden. Besondere Glücknummern – wie z.B. mit vielen 9er für die Chinesen – gehen dabei schon mal für weit mehr als die offiziell 80 Baht billigen Lose.

Manchmal gibt es auch merkwürdige Wege die „richtigen“ Zahlen zu finden. So wurde ich auch schon mal gefragt, welche Zahlen auf meinem Moped-Kennzeichen zu finden sind, oder wie mein Geburtsdatum sei. Ich hoffe, sie haben ihnen Glück gebracht.

Auch all meinen Lesern wünsche ich viel Glück – beim Spiel und in der Liebe. In diesem Sinne …

Bis bald
euer Stefan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.