Ist beim Auswandern nach Thailand Chiang Rai ein Traumziel? Viele Gründe sprechen dafür. Einer dagegen wiegt aber schwerer als früher.
Thailand ist beliebt bei Auswanderern. Sie sind überall im Land zu finden, im ländlichen Nordosten, im verrufenen Pattaya, auf der modernen Insel Phuket oder in der Großstadt Chiang Mai. Sie kommen wegen der günstigen Lebenshaltungskosten, den freundlichen Einwohnern, dem tropischen Klima. Aus den USA, aus Russland, aus Europa, aus dem Nahen Osten und zunehmend aus China.
Ich lebe in Chiang Rai, der nördlichsten Provinz Thailands. Nahe am Golden Triangle, dem Dreiländereck, das seinen Namen dem Reichtum der Opiumschmuggler vergangener Zeiten verdankt.
Kann ich die Gegend hier empfehlen für Auswanderer? Meine Antwort ist ein klares Jein. Wobei das Nein darin heute schwerer wiegt als noch vor ein paar Jahren.
Was Chiang Rai für Auswanderer zu bieten hat
Menschen
Die Einwohner Thailands machen es einem Ausländer leicht, sich wohlzufühlen. Auch wenn man mit der Zeit lernt, hinter die Fassade zu schauen, das berühmte Lächeln der Thais macht das Leben angenehm. Wie oft war ich schon von einer Hilfsbereitschaft überrascht, die ich in meinem Heimatland selten so erlebt habe. Der Respekt vor Älteren ist tief in der Kultur verankert. Genauso wie der Wunsch, bei anderen Menschen keine unangenehmen Gefühle zu verursachen.
Essen
Die thailändische Küche ist die beste der Welt. Punkt. In Vielfalt und Geschmackskombinationen unübertroffen. Hier im Norden bekommt man neben den südthailändischen Curries auch Varianten ohne Kokosmilch. Ein Khao Soy oder Hang Lae ist mindestens genauso lecker wie das berühmte Massaman-Curry.
Ananas, Bananen und Papaya gibt es das ganze Jahr über. Dazu rund zwanzig weitere Obstsorten. Die wichtigsten: Mango im April, Lychee im Mai, Durian im Juni, und Rambutan im August. Gesünder kann man sich kaum ernähren.
Landschaft
„Lanna“ war ein mächtiges nordthailändisches Fürstentum. „Lan na“ bedeutet „eine Million Reisfelder“. Weite Ebenen mit Reisfeldern, eingebettet in Hügel- und Bergketten, bedeckt mit dichtem Dschungel, aus dem schroffe Felsformationen herausragen. Ein faszinierender Anblick, besonders wenn die Luft klar ist. Dazu später mehr.
Zwei Berge der Provinz sind berühmt. Auf dem Doi Chang wächst der beste Kaffee Thailands, exportiert in alle Welt. Der Doi Nang Non wurde bekannt durch die Rettung von 13 Jugendlichen aus einer überfluteten Höhle. Beide lohnen einen Ausflug. Das Straßennetz ist gut.

Lebenshaltungskosten
Das Leben in Chiang Rai kann sehr günstig sein. Die Einkommen liegen ein Drittel bis Viertel unter dem mitteleuropäischen Niveau, entsprechend stark ist die Kaufkraft. Aber die Faustregel gilt: Je mehr man wie die Einheimischen lebt, desto günstiger. Je mehr man auf westliche Produkte besteht, desto teurer. Von 800 Euro im Monat kann man leben. Die Frage ist, wer sich wirklich so sehr einschränken will.
Siehe dazu auch: Lebenshaltungskosten Roller + Lebenshaltungskosten Krankenhaus
Community
Es gibt eine vergleichsweise kleine, aber aktive Auswanderergemeinde. Der Chiang Rai Expat Club ist hauptsächlich englischsprachig, bietet aber viele Aktivitäten von Sport bis Kultur. Wer offen durch die Welt geht, findet auch deutschsprachigen Anschluss.
Infrastruktur
In der Stadt bekommt ein Ausländer Alles, was er braucht. Supermärkte mit ausländischen Produkten, internationale Restaurants, gute Krankenhäuser, Baumärkte, mehrere Einkaufszentren mit Klimaanlage. Für eine Stadt dieser Größe erstaunlich umfangreich.
Der eine Grund, warum ich zögere
Es gibt einen Grund, warum ich Chiang Rai nicht vorbehaltlos empfehlen kann. Tatsächlich nur einen, aber der wiegt schwer.
Die Burning Season. Und die wurde über die letzten Jahre schlimmer.
Von Februar bis April steigt die Feinstaubbelastung auf Werte, die ich beim Schreiben immer noch kaum glauben kann. PM 2,5-Werte von 200, manchmal bis 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: Der EU-Grenzwert liegt bei 25. In den letzten zwei Wochen hatten wir wieder Werte weit über 200, dauerhaft, nicht nur kurz.
Die Sicht sinkt auf unter einen Kilometer. Von den Bergen, die Chiang Rai so schön machen, ist nichts zu sehen. Der Himmel ist bläulich-grau. Die Sicht auf die Gummibaum-Plantage 300 Meter von unserem Haus entfernt ist milchig eingetrübt. Draußen spazieren gehen? Nur mit Maske, und auch dann fragt man sich, wie viel das wirklich nützt.
Ausgelöst wird die Smog-Saison vor allem durch Brandrodung, das Abfackeln von Ernterückständen und Waldbrände, die durch Abfackeln wegen der Jagd nach seltenen Waldpilzen und das Ausräuchern von Bienenvölkern beim Honigsammeln entstehen. Ein erheblicher Teil kommt aber auch von außerhalb. Die Satellitenbilder mit den Feuer-Hotspots zeigen, dass die Grenzregionen zu Myanmar und Laos regelrecht rot leuchten. Selbst wenn Thailand erhebliche Verbesserungen erzielen würde, was es bisher kaum getan hat, bliebe der Einfluss aus den Nachbarländern massiv.
Chiang Rai leidet dabei etwas weniger als das benachbarte Chiang Mai. Aber „weniger schlimm“ ist in dem Fall nicht gleich gesünder.
Politik: Versprechen, Schweigen, Wiederholung
Vor den letzten Wahlen hatten die Parteien das Thema aufgegriffen. Verbrennen verboten, Kontrollen angekündigt, Betroffenheit gezeigt. Nach der Wahl: weitgehend Stille. Ein paar Maßnahmen, wenig Wirkung. Das Muster wiederholt sich seit Jahren.
Das Problem ist strukturell, wirtschaftlich, grenzübergreifend und politisch unbequem. Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Wer darauf wartet, dass sich die Situation grundlegend ändert, wartet wahrscheinlich lange.
Was das bedeutet, ganz konkret
Nach einem Tag draußen (natürlich mit Maske) brennen abends die Augen. Ohne Maske spürt man einen gereizten Rachen.
Viel schlimmer sind allerdings die zunächst nicht spürbaren Spätfolgen. Der Feinstaub mit 2,5 µm kleinen Partikeln dringt in die Lungenbläschen ein und kann zu Beeinträchtigungen im ganzen Körper incl. verzögerte Lungenentwicklung bei Kindern sorgen.
Insbesondere empfindliche Menschen, ältere Menschen, Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Herzproblemen sollten diesen Punkt sehr ernst nehmen. Die Burning Season dauert bis zu zwei Monate. In dieser Zeit halten viele Fenster und Türen geschlossen. Luftreiniger laufen in allen Zimmern auf Hochtouren oder es wird sogar Überdruck erzeugt um die Partikel draußen zu halten. Ein Freund von mir klebt jeden Spalt mit Klebeband ab. Manche Auswanderer fahren für diese Wochen ans Meer in den Süden oder nach Europa.
Ich fühle mich wirklich wohl in Chiang Rai. Aber in diesen Wochen frage ich mich, ob es eine kluge Entscheidung ist, hier alt werden zu wollen.
Dann ist die Burning Season mit den ersten Sommergewittern vorbei. Ich fahre wieder mit dem Rad durch kleine Dörfer, in denen die Zeit langsamer läuft und kaufe im Laden an der Ecke bei der Frau mit dem hinreißenden Lächeln für 20 Cent eine frische Mango. Und schon sieht die Welt wieder ganz anders aus.
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