Radtour Chiang Mai – Vientiane

Mit dem Fahrrad über Lamphun, Lampang, Uttaradit, Chat Trakan, Nakhon Thai, Dan Sai, Phu Ruea, Nong Khai nach Laos.
6 bzw. 7 Tage, ca. 750 km, einige Höhenmeter

Ich musste mir ein Visum besorgen und wollte das mit Radfahren verbinden. Die nächste thailändische Botschaft ist in Vientiane. Machbar. Also los.

Ich wählte bei der Streckenplanung einen Kompromiss zwischen langer Strecke und wenigen Höhenmetern. Ich wollte nicht jeden Berg mitnehmen, aber auch nicht einen Riesenumweg machen. Die großen Überlandstraßen sind häufig viel befahren, aber die kleinen Landstraßen erfordern mehr Suche. Unterwegs habe ich die Planung immer wieder auf die Umstände angepasst. Dazu benutzte ich „Ride with GPS“. (Alternativen zu meiner Route und der App s.u.)

Tag 1 – von Chiang Mai nach Lampang
115 km

Lamphun Bike LaneMir ging es vor allem darum, leicht, schnell und mit wenig Verkehr aus der Stadt rauszukommen, weil ich recht spät loskam. Das ist mir gelungen indem ich mich erst am Fluss und dann an der Bahn orientiert habe. Das erste Drittel führte also an Gleisen entlang. Flach und langweilig, aber zügig ohne allzu viel Verkehr. Schön.

Das zweite Drittel von Lamphun ab verlief weniger schön auf dem Highway 11 mit ätzend viel Verkehr. So ging es dann auch über den ersten Berg. Belohnt wurde das Aushalten der vielen LKWs mit dem Thai Elephant Conservation Center. Die staatliche Einrichtung bietet u.a. eine 45-minütige Show und Elefantenbad bei günstigen Preisen. Die Diskussion um die artgerechte Haltung der Elefanten möchte ich hier nicht führen. Man kann sie im Internet auf vielen Seiten nachlesen.

Das letzte knappe Drittel ist abseits vom Highway flach und ruhig, durch Vororte in die Stadt rein. Lampang ist bekannt für seine Pferdekutschen. Zudem gibt es schöne Parkanlagen.

Meine Hotelempfehlung Lampang: City Ratsada Appartment. Tatsächlich war ich im City2, das erst im Dezember 2017 öffnete. Alles war niegelnagelneu und durchaus geschmackvoll für den Preis. Kein Wunder, dass das Hotel bei Booking.com eine sehr gute Bewertung bekommt.

Tag 2 – von Lampang nach Tha Chai (in der Nähe von Uttaradit)
149 km

Solch einen starken Verkehr auf dem Highway wollte ich mir eigentlich ersparen. Aber wie? Nach Phrae oder Uttaradit? Bei beiden Strecken musste ich erst mal über einen kleinen Berg ohne die Möglichkeit einer Umfahrung. Also Augen zu und durch. „Mit viel Kaffee und Nudelsuppen wird das schon gehen“, dachte ich mir.  Aber wundersamerweise war der Verkehr sehr viel geringer nachdem ich aus der Stadt raus war.

Wieder auf dem Highway Nr. 11, aber mit wenig Verkehr und schöner Landschaft über einen gut zu fahrenden Pass (ab km 35) und dann auch noch eine schöne Abfahrt – das machte deutlich mehr Spaß!

Unterwegs traf ich Nick, einen belgischen Grafiker, der im Winter in Chiang Mai arbeitet, und nun wie ich auf dem Weg nach Nong Khai war. Gemeinsam sind wir dann nicht auf dem Highway weitergefahren, sondern in einem Bogen mit welligem Profil, um einen weiteren Pass zu umfahren. Ich wollte allerdings nicht weiter bis Uttaradit. Das schien mir ein Umweg und so fuhr ich die letzten 20 km wieder alleine durch ein historisch interessantes Gebiet. Viele Ruinen von alten Tempelanlagen und Schilder zum Si Satchanalai Historical Park lassen auf ein geschichtsträchtiges Gebiet schließen – Sukhotai, die ehemalige Hauptstadt des gleichnamigen, thailändischen Königreichs aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, ist nicht weit entfernt.

thailändische NudelsuppeAuf der Strecke gab es relativ wenig Läden. Daher ist es ratsam sich jedes Mal mit Wasser einzudecken oder eine Nudelsuppe zu essen, wenn man die Gelegenheit dazu hat. Nudelsuppe – Guithiau – ist mein Treibstoff unterwegs. Salzig und Nudeln. Super.

Die Übernachtung Leelawadee war okay, die Besitzer supernett und hilfsbereit. Aber Achtung: um das Ressort herum gibt es keine Restaurants, Essensstände oder Läden. Die sind 2 km außerhalb im Ort südlich beim 7/11 zu finden. Im Bungalow gibt’s Flachbild-Fernseher, Kühlschrank und AirCon für günstige 550 Baht.

Tag 3 – von Tha Chai nach Chat Trakan
116 km

Den ersten Teil genoss ich sehr, wegen der flachen Strecke durch Reisfelder auf wenig befahrenen Straßen und der Morgenkühle. Ich war früh gestartet und sah unterwegs Bauern bei der Arbeit, Störche und viele Kühe (der Dung wird an der Straße getrocknet). Die Uhren ticken hier echt langsamer. Die Menschen wirken deutlich entspannt.

eine Python auf der StraßeDer zweite Teil nach der Überquerung des Highways wurde dann deutlich hügeliger. Im letzten Teil dann eine Art Stufe im Gelände. Der Anstieg ist nicht allzu lang und gut zu machen. Als Belohnung gibt es ein nettes Cafè an der Straße.

Die Übernachtung in Chat Trakan war okay im kleinen Chat Trakan Ressort.

Tag 4 – von Chat Trakan nach Dan Sai
80 km

Ein Regentag! Daher nur eine vergleichsweise kurze Strecke. Schon eine halbe Stunde nach der Abfahrt fing es mit einem heftigen Schauer an. Aussitzen. Leider fing es später an leicht zu regnen. Als ich mich bei km 50 in den Anstieg begab, schien der Regen das auch als Anreiz zu nehmen sich zu steigern. Bis ich oben war, goss es in Strömen. Leider. Weil die Abfahrt ohne richtig geil gewesen wäre.

Dan Sai ist ein touristischer Ort für Thailänder. Mir ist nicht ganz klar warum. Es gibt ein Masken-Museum. Diese scheinen das Wahrzeichen der Region zu sein.

Leider wurden meine Sitzbeschwerden nicht besser. Schon letztes Jahr hatte ich bei einer längeren Tour am Ende wunde Stellen. Jetzt muss ein neuer Sattel her!

Im Regen traf ich dann auch Nick wieder. Wir hatten beide das gleiche Ressort ausgesucht, das ich allerdings nicht empfehlen kann. Ich konnte die Nachbarn durch die Wände hören. Es gibt im Ort aber einige andere Übernachtungsmöglichkeiten.

Tag 5 – von Dan Sai über Phu Ruea nach Chiang Klom
143 km

Hier teilten sich wieder unsere Wege, weil Nick am Mekong entlang fahren wollte, ich aber eher die kürzere und direktere Variante über Phu Ruea wagen wollte. Mir war schon irgendwie bewusst, dass ich dafür den einen oder anderen Berg mehr überwinden müsste. Naja, ich weiß nicht, ob es mit der längeren Strecke nicht leichter gewesen wäre.

Die Gegend um Phu Ruea scheint beliebt bei Thais. Einerseits gibt es einen Nationalpark in der Nähe, andererseits sah ich sehr viele Pflanzenhändler an der Straße. Entsprechend viele Übernachtungsmöglichkeiten.

Achtung Kurven - ein Schild, das Spaß versprichtIn Stufen ging es zum höchsten Punkt der Tour mit 900 Höhenmetern. Meine ganze Arbeit wurde in einer rasanten Abfahrt – 500 hm innerhalb von 5 km – zunichte gemacht. Dabei erreichte ich auch mit 77 km/h die höchste Geschwindigkeit. Ich sag das nur, um klar zu machen, dass höchste Konzentration auf diesem Abschnitt erforderlich ist. Zumal es teilweise über sehr schlechte Straßen ging.

Gerade noch rechtzeitig bemerkte ich einen Fehler. Ich hatte einen Abzweig verpasst, konnte das aber recht leicht korrigieren. Das hat mich dann aber auf die Idee gebracht, mir die Karte noch mal genau anzuschauen. So kam es, dass ich auf wirklich kleinen Straßen hügelig bis wellig durch recht ärmliche Dörfer fuhr. Die Vegetation auf diesem Teil der Strecke wurde vor allem durch Gummibaum-Plantagen bestimmt.  

Ein wirklich schöner Abschnitt kam dann nach einem Stück größerer Landstraße. Die 2108 führt ohne große Anstiege, leicht wellig durch eine schöne Landschaft mit Karststeinfelsen und üppiger Vegetation mit toller Aussicht im Abendlicht.

Die Übernachtung im Dongmanee-Ressort war nicht besonders. Immerhin AirCon, saubere Dusche und das Rad kann man in den Bungalow stellen.  

Tag 6 – von Chiang Klom nach Nong Khai
123 km

Geisterhaus am StraßenrandEin letztes Mal musste ich mich noch einen wirklich steilen Anstieg hoch arbeiten, danach wurde es immer flacher. Die zweite Hälfte war dann sogar ganz flach, ich war im Isaan angekommen. Leider gab es auch Gegenwind, der allerdings nie zu stark wurde.

Nong Khai zeigte sich mir erstmal von seiner wenig schönen Seite. Sehr große Straßen mit viel Verkehr und gesichtslosen Läden. Das schlechte Bild habe ich dann auf dem Rückweg von Vientiane korrigiert, indem ich durch die Altstadt und über die Promenade am Mekong gefahren bin.

Das Hotel Iyara, praktisch und für den Preis sehr gut ausgestattet, liegt direkt hinter einem großen Einkaufszentrum mit Tesco/Lotus und diversen Restaurants. Zur Feier des Tages habe ich mir eine teure, aber leckere Pizza geleistet.

Das Praktische an einer Buchung dieses Hotels mit Booking.com ist die Stornierungsmöglichkeit. So kann man auch bei kurzfristigen Planänderungen noch umbuchen.

Tag 7 – von Nong Khai nach Vientiane
vom Hotel bis zum Konsular-Service der thailändischen Botschaft 26 km

Bei der Ausreise aus Thailand kann es wie üblich zu langen Schlangen kommen. Mein Rad konnte ich draußen stehen lassen und mir den Stempel abholen. Danach bin ich dann auf der Straße weiter gefahren bis …

… sich an der Brücke ein Schild „Radfahren verboten“ fand. Also habe ich mein Rad über die Balustrade auf den Gehweg gehoben. Das ist für mich kein Problem, wird für Leichtgewichte ein bisschen aufwändiger. Auf dem Fußgängerweg ging es bis zur Mitte der Brücke ganz gut. Dort ist leider der Durchgang gesperrt. Also habe ich das Rad wieder rüber gehoben und die Hälfte der Brücke auf der Straße zurück gelegt. Das war früh morgens kein Problem und niemand hat sich beschwert.

An der Immigration auf der laotischen Seite holte ich mir mein Visum und fuhr mit dem Rad auf der Straße weiter. ACHTUNG: Rechtsverkehr wie in Mitteleuropa. Es brauchte einen Moment der Umstellung nach mehreren Monaten Linksverkehr in Thailand, aber dann hatte sich mein Gehirn umgestellt.

Der Weg in die Stadt rein ist einfach zu finden. Ich hatte mir vorab die GoogleMaps-Karte heruntergeladen, so dass ich auch offline darauf Zugriff hatte. Grundsätzlich wäre aber auch eine App wie „RidewithGPS“, „outdooractive“ oder „CityMaps2go“ mit der heruntergeladenen Routenbeschreibung möglich gewesen. Eine normale Straßenkarte hätte wahrscheinlich auch den Zweck erfüllt, mich bis zur Ausgabestelle des Thai-Visums durchzuschlagen (Das Visum bekommt man nicht in der Botschaft, sondern ein Stück davon entfernt beim Consular Service in der Rue Borichane.)

Hotelempfehlung: Das Douang Pra Seuth Hotel ist sicher nicht das beste und schönste Hotel in der Gegend. Aber es hat einen entscheidenden Vorteil: Es liegt direkt gegenüber der Ausgabestelle für Visa, dem thailändischen Konsularservice. Es bietet keinen Luxus, aber Platz. Es ist für 920 Baht nicht das günstigste, aber es ist bequem und bietet sogar ein üppiges Frühstück. Die Massage schräg gegenüber ist günstig und seriös. Banken und Restaurants finden sich in der Nähe.

Fazit:

Ich denke, viel schneller kommt man mit dem Rad nicht von Chiang Mai nach Vientiane. Wer Strecke machen will ist mit dieser Route gut bedient und erlebt Nordthailand. Wer die Supersportler-Variante über 815 km und 11.000 Höhenmetern sucht, findet sie auf RidewithGPS https://ridewithgps.com/routes/11351923.

Der Bogen am Mekong entlang wäre tatsächlich auch für mich eine Alternative gewesen. Von Dan Sai wären das 3 Tage bis nach Vientiane ohne Übernachtung in Nong Khai gewesen. Letztlich habe ich mich aber für einen direkteren Weg entschieden, um kürzer unterwegs zu sein. Ich hatte auch befürchtet, dass die drei Tage am Mekong recht langweilig werden könnten.

Wie immer gibt es die GPS-Daten der Tour auf Anfrage.

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