Meine Hochzeit in Thailand – Akha-Style

Heiraten in Thailand

„I am married!!!“ jubelte ich. Die Antwort war Applaus der Menschen um mich herum. All die Arbeit der letzten Tage und die viel zu kurze Nacht, vor allem aber die Kraft der vielen, vielen guten Wünsche führte zu diesem emotionalen Ausbruch.

Heiraten in Thailand ist ein heiß diskutiertes Thema. Ich hätte mir auch nie, nie, nie gedacht, dass ich mal eine Thailänderin heiraten werde. Dennoch kam es so. Hier ein paar Episoden im Zusammenhang mit meiner Hochzeit.


Wir hatten uns das so einfach ausgedacht. Eine Zeremonie mit den Dorfältesten und ein paar Freunde dabei. Leckeres Akha-Essen auf Bananenblättern und deutschen Kuchen mit thailändischem Kaffee. Doch es kam anders.

Thai wedding

Angefangen hatte es mit der Idee unter der Dusche. Nur mit einem Handtuch bekleidet fragte ich meine geplant Zukünftige, ob sie mich heiraten wolle. Romantisch ist anders. Entsprechend zögerlich kam die Antwort. Das müsse sie sich überlegen. Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Eigentlich hatte ich mir gar nichts vorgestellt außer einem begeistertem JA.

Was dann daraus wurde, fällt bei mir unter die Kategorie „Abenteuer Leben“.

Ich hatte ja keine Ahnung, wie so eine Akha-Hochzeit ablaufen würde. Und so fragte ich erstmal meine Liebste. Keine Ahnung, war ihre Antwort. Also mussten andere Quellen her. Im Dorf ihrer Mutter wurde uns der Ablauf der Zeremonie erklärt. Es drehte sich viel um Essen. Klar, wir sind ja in Thailand. Ein wesentlicher Teil war das Schlachten eines Schweins und die Vorhersage unserer Zukunft aus der Leber.

Die arme Sau …

… war gar nicht so arm dran, finde ich. Das Muu Dam – schwarze Hausschwein – erfüllte bei unserer Hochzeit seinen Lebenszweck. Dazu war es geboren worden. Um lecker zu schmecken und unsere Gäste zu nähren. Nicht der schlechteste „Purpose of Life“. Entsprechend dankte ich dem Tier und beruhigte es indem ich es hinter den Ohren kraulte und leise mit ihm sprach. Das Wort „lecker“ schnappte meine zu dem Zeitpunkt noch Zukünftige auf und übersetzte. Alle lachten. Das Schwein legte sich hin und genoss die Zuwendung. Leider waren seine letzten Minuten nicht ganz so angenehm. Ich hätte ihm einen leichteren Tod gewünscht. Eher so wie im Film „Emmas Glück“. Aber das Volk der Akha ist rau. Das Leben in den Bergen ist hart. Sentimentalität ist da nicht angebracht.

Hochzeit in Thailand - Essen

Die Zukunft liegt in der Leber

Da lag sie also – unsere Zukunft als Paar. In Form einer vor uns ausgebreiteten Schweineleber. „Wenn ihr ein Kind bekommt, wird es ein Junge“, meinte er und deutete auf eine längliche Blase. Das „wenn“ war wichtig und trug erheblich zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Bei einer vorausgesagten Anzahl von Kindern hätte ich ihn ausgelacht. „Euch wird es als Paar gut gehen“ – rechts unten. Linke Seite dann „Das steht für die Karte der Welt. Sieht gut aus. Ihr werdet sicher reisen und eurer Wege gehen“. Und zuletzt, auf eine runde Beule rechts oben deutend: „Euer Geldbeutel wird immer gut gefüllt sein“. Genau das wollte ich hören.

Die Männer, die das Schwein geschlachtet hatten, meinten es wäre zu teuer gewesen. Ich bin unserer Sau sehr dankbar. Sie war ihr Geld absolut wert.

Hochzeit in Thailand - Gäste

Die Gäste

Mutter und Schwester meiner Liebsten saßen vor uns. Uns war gerade die Kinnlade heruntergefallen. Mir war zum Lachen zumute, aber der Ausdruck in ihren Gesichtern ließ das nicht zu. 2-300 Gäste? Das konnte nicht ihr Ernst sein. War es aber.

Wir hatten uns so 10 Gäste vorgestellt. Nur die engsten Freunde vor Ort. Die Zahl hatte sich wie so üblich schnell verdoppelt, lag aber noch meilenweit von der gerade gehörten Zahl entfernt. Welche Leute das denn seien, fragten wir. „Die ehemaligen Arbeitskollegen zum Beispiel“, meinte die Schwester. „Meine Verwandten und Freunde aus den Nachbardörfern“, meinte die Mutter. „Kommt gar nicht in Frage“, meinte meine Zukünftige. „Wollt ihr eine Akha-Hochzeit oder nicht? Dann müsst ihr zumindest das ganze Dorf einladen“, kam es zurück. Also 150. „100“, meinte meine sparsame Frau. Und mir raunte sie zu „da kommen höchstens 80“. Als wenn mich das beruhigt hätte!

Am Schluss kam es dann anders – wir sind schließlich in Thailand. Ob wir die Hochzeit vielleicht verschieben könnten, kam die Anfrage 3 Tage vor dem Termin. Es sei eine Beerdigung im Nachbardorf am gleichen Tag. Da müssten alle hin. Nein, antworteten wir thai-untypisch deutlich. Auf keinen Fall. So kamen also „nur“ 65 Gäste, die uns allerdings einen wunderschönen Tag bescherten. Oder wir ihnen? Egal, gut war’s.

Plastikfreie Hochzeit im Land der tausend 7/11-Tüten

Meine Fast-schon-Frau hatte eine Idee. Großartig, sagte ich und wusste nicht, auf was ich mich eingelassen hatte. Tagelang mussten wir und andere hacken, sägen und schleifen. Das Ergebnis war sehenswert. Nam Prik, Gemüse, Fisch und Suppe aus Bambusschalen. Reis und Lab auf Bananenblättern. Becher mit Trinkhalmen aus Bambus. Wow, da haben wir ein Zeichen gesetzt. Selbst die Dorfbewohner waren beeindruckt, wie schön ihr früher übliches Geschirr sein kann.

traditionelles Akha Essen aus Bambus und Bananenblätter

Verliebt, verlobt, verheiratet

Letztendlich war es eine abgespeckte Version eines ursprünglich 3-tägigen Ablaufs. Die Schmalspurversion sozusagen, weil die alte Version keiner mehr machen darf im Dorf. Macht aber nix. Weil jedes Ritual eine Kraft entwickelt, wenn es ernsthaft durchgeführt und bewusst empfangen wird. Am intensivsten empfand ich es, als unsere Gäste kamen, uns die in Thailand üblichen weißen Bänder umbanden und uns ihre Wünsche mitgaben. Da war die ganze Bandbreite von „ganz schnell viele Kinder“ bis zu sehr emotionalen Momenten dabei. Im Anschluss war ich wirklich „high“. Was dann zu dem oben beschriebenen emotionalen Ausbruch führte.


Bevor jemand fragt: Nein, diese Hochzeit hat keine rechtlich bindende Wirkung. Das ist für mich aber unwichtig. Als mich ein Freund fragte, warum ich heiraten wolle, antwortete ich aus dem Bauch heraus, weil ich sie liebe und den Rest meines Lebens mit ihr zusammenbleiben will. Das habe ich nun unter Zeugen in einem überlieferten Ritual öffentlich gemacht. Besser gehts nicht. Dazu stehe ich. Wenn ich, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann mal eine Unterschrift unter ein Stück Papier setzen werde, wird das nichts ändern. Die hier berichtete war meine Hochzeit.


Ich widme diesen Bericht all meinen Freunden und Familienmitgliedern, die nicht dabei sein konnten oder durften.

Mein großer Dank geht an die vielen Menschen, Freunde wie Unbekannte, die zu diesem Fest beigetragen haben: Den Dorfältesten, die die Zeremonie durchgeführt haben. Den vielen helfenden Händen aus der Familie und dem Dorf meiner Frau. Kong, Kem und Taew für das wunderschöne Blumen-Arrangement. An die Köchin für das leckere, traditionelle Essen. Corinna von Mountain Creek Vineyard und Andrea für den leckeren Kuchen. An Bee, Booz und Namwan für die tollen Fotos. An unsere Freunde, die mit uns gefeiert haben. Für all die guten Wünsche. Meiner Tochter, weil sie mal eben übers Wochenende nach Thailand gekommen ist. Vor allem aber danke ich meiner Mutter und meiner Tochter Anna, die immer hinter mit stehen, egal welche Abenteuer ich beginne.

Meiner Frau bin ich dankbar, dass sie keinen Streit mit mir angefangen hat in den Vorbereitungstagen, obwohl sie wirklich gestresst war. Ich liebe dich.


Das Titelbild zeigt die von meiner Frau hergestellte Seife, die wir als kleines Dankeschön an unsere Gäste ausgegeben haben.

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8 thoughts on “Meine Hochzeit in Thailand – Akha-Style

  1. Lieber Stefan und liebe Walee…..das ist einfach wunderschön zu lesen!!!!Toll…..

    Da wäre ich super gerne dabei gewesen. Klingt sehr spanned…

    Euch nur das Beste für Eure Zukunft….

    LG Heike

    1. Danke dir, Heike.

      Wärst du geradeaus gefahren statt links abzubiegen, hättest du auch dabei sein können. Aber du willst ja nach Afrika!

      Für alle, die hier mitlesen: Schaut euch mal die intensiven und lesenswerten Berichte einer Solo Radfahrerin an: https://www.pushbikegirl.com

  2. Was für ein wunderbarer emotionaler Bericht, der allen dümmlichen Unkenrufen, dass man sich in vorgerücktem Alter nicht mehr verlieben könne, beispielhaft widerspricht. Wie herrlich. Ich habe meine Frau vor vielen Jahren auf ähnliche Weise geheiratet, allerdings im weniger ländlichen Hua Hin. Der Versuch, eine Absprache über die Anzahl der Gäste zu treffen, war von vornherein aussichtslos und hätte mich nur als elenden Kineau gebrandmarkt. Es war mir auch egal, sollte kommen, wer wollte. Und als die „geistigen Kaltgetränke“ im Laufe des Feierabends aufgebraucht waren, wurden halt neue nachgekauft. Ich wünsche euch eine grandiose Zunkunft…

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