Entscheidung Krankenversicherung Thailand

Langzeit-Auslandskrankenversicherung – eine schwierige Entscheidung

Irgendwann stehen alle Auswanderer vor der Frage, wie sie sich krankenversichern wollen. Oder müssen. Dieser Artikel soll dazu beitragen, die Entscheidungsgrundlage zu verbessern.

Info

Dieser Text wurde von einem befreundeten Arzt geschrieben, der seit vielen Jahren in Thailand als Rentner lebt.

Mir ist es wichtig, diesen Beitrag zu veröffentlichen, um Argumente für oder gegen bereit zu stellen und so für bessere Entscheidungen zu sorgen – egal wie diese ausfallen.

Sicher wird das für viele Diskussionen sorgen. Aber bitte, Ladies and Gentlemen, nicht zu hitzig werden. Bleibt sachlich und konstruktiv.

Eigentlich sollte es keine schwierige Frage sein. Überall und immer wieder weist jede Website auf die Wichtigkeit einer Krankenversicherung im Ausland hin. Auch und gerade für Auswanderer, für Rentner – gerade in Thailand. Es gibt kaum einen Nachrichtenkanal über Thailand, der dies nicht in den Fokus stellt. Und richtig – das Risiko der Krankheit, des Unfalls besteht jeden Tag. Kosten werden schnell kaum kalkulierbar. Krankheit und Siechtum wird realer mit zunehmendem Alter.  Es macht Angst. Nicht versichert zu sein gilt darum nicht nur als ein Risiko, nein, es ist auch ein gesellschaftliches Stigma. Kaum jemand wird darum öffentlich zugeben nicht versichert zu sein. 

Dabei gibt es mehr Nicht-Versicherte als man denkt. Sie halten sich bedeckt. Man will es ja nicht zugeben. Also macht man eigene Pläne und versucht im privaten seine eigenen Risiken zu kalkulieren.

Und trotzdem … leider …  ja leider ….  gibt es auch gute Gründe zu der schwierigen Entscheidung zu kommen unter den gegebenen Bedingungen in Thailand keine Krankenversicherung abzuschließen.

Ich weiß, dass jetzt viele auf mich einschlagen möchten: „Wie kann der sowas sagen? Unverantwortlich !!!“

In der Tat, eine solche Entscheidung muss sehr gut überlegt und gut geplant sein. Sie darf nie aus finanziellen Gründen geschehen. Wer in Thailand finanziell kaum über die Runden kommt und sich eine Versicherung einfach nicht leisten kann der ist in Thailand fehl am Platz. Der DHT (Deutscher Hilfsverein Thailand) weiß ein Lied davon zu singen. Der/die sollte nach Deutschland zurückkehren, bevor es ein Problemfall wird.

Versichert sein kostet – aber auch nicht versichert sein kostet!!

Gründe für eine Auslandskrankenversicherung Langzeit in Thailand

Es gibt sehr gute Gründe für eine gute internationale Krankenversicherung in Thailand für permanent in Thailand lebende Ausländer. Ich spreche in diesem Zusammenhang nicht von zeitlich limitierten Reiseversicherungen.

1. Der wichtigste Aspekt ist das Risiko der Erkrankung was mit zunehmendem Alter steigt. Operation, Herz, Krebs, chronische Erkrankungen, Unfall, und, und, und…… die Liste ist lang. Eine größere OP kann, auch in staatlichen Hospitälern, schnell zusammen über 500.000 THB kosten. Krebs-OP, ggf Chemotherapie, jetzt neuerdings die sehr vielversprechenden Immuntherapie bei fortgeschrittenem Karzinom, die sehr teuer ist. Es gibt viele weitere Beispiele.

2. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der Aspekt der gefühlten Sicherheit. Eine Krankenversicherung beruhigt, auch in Zeiten, in denen man die Versicherung nicht braucht.  Man schläft idR besser, und dies erhöht die Lebensqualität. Man fühlt sich versorgt, sicher.

3. Krankheit bedeutet immer auch Stress. Eine gute Versicherung sorgt für einen stressfreieren Verlauf bei Krankheit und Unfall. Das Krankenwagen kann kommen, Versicherungskarte gezeigt, und schon stehen idR alle notwendigen Türen offen, auch im besten und teuersten Hospital der Stadt. Dieses Gefühl der Sicherheit „Ich werde jetzt best-möglich versorgt, ich kann mich in der Krankheit fallen lassen“ spielt im Krankheitsfall eine große und positive Rolle.

5. Mit Krankenversicherung geht man eher in das teurere Hospital. Dieses mag medizinisch nicht besser sein als die gute staatliche Klink, die Uniklinik. Die Mitarbeiter im privaten Hospital (z.B. Bangkok Hospitäler) aber sind geschult im Umgang mit Ausländern, kennen deren Bedürfnisse, sprechen Englisch, das Essen ist adaptiert.  So fühlt sich der erkrankte Ausländer subjektiv wesentlich besser versorgt. Ein wichtiger psychologischer Aspekt.

4. Weitere Gründe sind Visa und rechtliche Gründe rund um die Aufenthaltserlaubnis. Immer wieder wird auch von Gastland-Seite gedroht, dass Nicht-Versicherte das Land bald verlassen müssen. Das macht Angst.

5. Es geht auch um soziale Akzeptanz. Ohne Versicherung wird man schnell verdächtig angeschaut. Das führt zu Stress. Gerade im Deutschen Selbstverständnis ist eine Versicherung unbedingt Pflicht. In keinem anderen Land wird so viel versichert, für alles und jeden. Deutsche lieben Sicherheit, und die Versicherungsgesellschafften lieben die Deutschen.

Gründe gegen eine Krankenversicherung in Thailand

Gibt es denn überhaupt Argumente gegen solch eine Langzeitkrankenversicherung? Ja, die gibt es, leider.

Das Gesundheitssystem beruht auf Profit, jede handelnde Partei möchte verdienen.  Und jede Behandlung, egal ob man versichert oder nicht, zahlt im Endeffekt der Erkrankte. Und lässt dieser sich in einem teuren Hospital behandeln, so zahlt er das eben mehr in die Versicherung. Eine gute Versicherung ist darum teuer. Ein Versicherungsunternehmen ist ein Wirtschaftsunternehmen; die wollen Geld verdienen und genau so sind die Policen berechnet. Ich habe keine Ahnung was eine durchschnittliche Versicherung für eine Gewinnspanne einkalkuliert. Es wird aber mindestens im sicheren 2-stelligen Bereich liegen.

Dazu hat die Versicherung viele administrative Kosten. Auch diese werden natürlich auf die Versicherungspolicen umgelegt.

Ein weiterer unkalkulierbarer Kostenfaktor ist das Krankenhaus. Gerade die privaten Krankenhäuser in Thailand fragen zuerst und sofort nach der Versicherungskarte.

Untersuchungen lassen sich dann einfacher durchführen, Argumente für Untersuchungen gibt es immer. Geräte müssen ausgelastet sein, Anschaffungen müssen sich rechnen. Indikationen für Operationen werden, wie auch oft in Deutschland, viel leichter gestellt; oft auch aus wirtschaftlichen Gründen und nicht unbedingt immer nur zum Wohle des Patienten. Laboruntersuchungen oder Medikamente kosten in privaten Krankenhäusern oft das 10-fache verglichen mit normalen Durchschnittpreisen in Thailand. Gerade in Thailand werden dann immense Mengen an Pillen, Injektionen und Infusionen verabreicht. Schnell hat der Versicherte ein paar Diagnosen mehr am Hals, ob signifikant oder nicht. Der Patient ist Kunde und die Versicherungskarte ist das offene Portemonnaie. Argumentieren kann der Arzt immer. Völlig ausgeschlossen ist in der Medizin nichts. Und dann kostet schonmal eine akute Gastroenteritis (Lebensmittelvergiftung) in den touristischen Hochburgen über 100.000 Bath. Ein anderer hätte sich zuhause ins Bett gelegt, viel getrunken, ein paar Paracetamol und Antiemetika für 100 Bath gekauft, und idR geht es ihm nach 2 Tagen wieder besser.

Der nächste unkalkulierbare Kostenfaktor ist der Versicherte selber. Versichert zu sein ist wird in Thailand auch als Privileg gesehen. Man ist versichert! Man hat bezahlt! Man hält die Versicherungskarte in den Händen. Und wofür man zahlt, da will man auch etwas von haben. Und so geht der Versicherte idR öfter zum Arzt. Mit allem und jedem. Schnell bekommt er dann eine Überversorgung und einige nicht signifikante Diagnosen aufgedrückt, die den Versicherten weiter zum treuen Kunden für das Krankenhaus macht. 

Und es gibt die freie Arztwahl. Der Versicherte also, der Laie, entscheidet selber welcher Arzt, welches Krankenhaus für ihn/sie gut ist. Der Versicherte wird sich idR das teure Krankenhaus aussuchen. Entscheidungskriterien beruhen oft nicht auf der wirklichen medizinischen Qualität. Die Rahmenbedingungen der Behandlung werden viel höher bewertet. Was teuer ist muss auch gut sein. Der bequeme Sessel und hygienische Verhältnisse werden zum entscheidenden Argument, ob es sich um gute oder schlechte Behandlung handelt. Die Versicherung gibt keine Richtlinien bei der Arztwahl vor. Freie Arztwahl ist „das Goldene Kalb“, und es wird in Deutschland immer noch als Errungenschaft gesehen.

Private Krankenhäuser, Ärzte wissen das. Es gibt darum kaum einen Wettbewerb, um die Preise niedrig zu halten. Der Patient/der Kunde will ja das das Krankenhaus teuer ist. Und natürlich verhält sich das Wirtschaftsunternehmen „Krankenhaus“ auch danach.

So trägt der Versicherte selber signifikant zu den immens hohen und weiter steigenden Kosten und damit steigenden Versicherungspolicen bei. Das nun auch in Thailand immer mehr um sich greifende Krankenversicherungssystem ist der Grund dafür, das zZ. die Kosten im Gesundheitswesen in Thailand überdimensional steigen, wesentlich mehr als in jedem anderen Wirtschaftszweig, wesentlich mehr als die Inflation, bis zu 10% und mehr jedes Jahr. Versicherungen sind ein Grund für diese exorbitant steigenden Kosten. Würde der Patient mit den Kosten direkt konfrontiert, dann würde er sich anders verhalten.

Die meisten Versicherungen bieten auch kein Belohnungssystem an was den Versicherten dazu anhalten würde, gesund zu leben bzw. bei Behandlungen nicht mehr unbedingt die teuerste Variante zu wählen. So trägt jeder, auch der der wirklich auf seine Gesundheit achtet, das volle Risiko eines jeden in der Gruppe, egal welche vermeidbaren Risikofaktoren der andere mit sich herumträgt. Verantwortung für die eigene Gesundheit wird von vielen Menschen nicht wahrgenommen oder sogar abgelehnt.

Aus all dem wird ersichtlich, dass bei Abschluss einer Krankenversicherung viele weitere Kosten entstehen die weit über das Risiko der wirklichen Krankheit hinausgehen. Die Krankenversicherung ist also signifikant teurer als der Durchschnitt der Ausgaben die eigentlich für Behandlungskosten notwendig wären. Eine Prozentzahl will ich nicht nennen, ich kann nur schätzen. Ich vermute mal, dass ein Versicherter mindestens doppelt so viel zahlt als es eigentlich notwendig wäre.

Und nochmal, jeder Versicherte muss wissen: Die Krankenkasse übernimmt im Endeffekt gar nichts. Der Versicherte zahlt über die Policen immer alles selber und weit darüber hinaus.

Und so steigen und steigen die Policen.

Im Alter und mit der Zeit steigende Prämien und andere Probleme

Wer mit zirka 55 Jahren 250 Euro im Monat für die Krankenversicherung zahlt, der muss damit rechnen das sich das in einigen Jahren verdoppeln wird.  Die im Vertrag dokumentierten altersbedingten Erhöhungen sind dabei nicht so wichtig, die ließen sich auch kalkulieren. Viel wichtiger sind die regelmäßig kommenden „Anpassungen wegen steigender Gesundheitskosten“ (wie die Versicherungen das nennen). Der Plan, den die Versicherung bei Abschluss der Versicherung vorgelegt hat, ist darum schon nach wenigen Jahren nicht mehr relevant. Mit 70 Jahren muss der Versicherte mit 1000 Euro und noch viel mehr im Monat rechnen. So sind im Alter viele Menschen gezwungen Versicherungen zu verlassen, bzw Versicherungsleistungen so abzuspecken, dass im Endeffekt viele entstehende Kosten wieder selber zu übernehmen sind. Policen müssen aber weitergezahlt werden, Rücklagen wurden nicht angespart. Die eingezahlten Beiträge kommen nicht zurück. So ist auch eine Versicherung langfristig finanziell kaum kalkulierbar.

Und Vorerkrankungen sind idR nicht mit abgedeckt, es bleiben also gesundheitliche Risiken. Die Versicherung findet auch immer wieder „Schlupflöcher“, um Zahlungen zu verweigern oder zumindest hinauszuzögern.  Den Stress, den man bei Aufnahme ins Hospital nicht hatte, den hat man dann um so mehr, wenn es um die Erstattung geht.



Krankenversichert bei einer thailändischen Versicherung

Das ist auch bei den thailändischen Versicherungen nicht anders. Diese sind zwar idR signifikant billiger, haben dafür aber auch wesentlich weniger Leistungen. Die finanziellen Höchstgrenzen für Erstattung sind oft nur in einem Rahmen die ein Normalbürger auch gut selber decken könnte. Den Grund einer Versicherung, unkalkulierbare medizinische Risiken abzudecken, wird bei den meisten thailändischen Versicherungen erst gar nicht erreicht. Leistungen wie z.B. Immuntherapie bei Krebs sind nicht möglich, zu schnell wäre die Leistungsobergrenze erreicht.

Auch die nun in Thailand diskutierte und teilweise schon umgesetzte Pflichtversicherung für Ausländer ist nicht Teil der Lösung, im Gegenteil. Diese ist so geschnitten, dass sich für den Versicherten eher Risiken erhöhen als Risiken zu minimieren.

Beispiel: Ambulante Behandlungen. Hier muss ein Ausländer in Thailand bis zu einem Betrag von 40.000 THB im Jahr abgedeckt sein. (Anmerkung zu dem Betrag: Jeder der in Thailand lebt sollte in der Lage sein locker die 40.000 Bath selber abzudecken, sonst hat er/sie in Thailand nichts verloren.) Die anfallenden Kosten bis zur erstattungsfähigen Höchstsumme von 40.000 THB im Jahr zahlen die Versicherungen aber nicht ohne weiteres aus. Die meisten Versicherungen zahlen pro ambulanten Arztbesuch nur einen Höchstbetrag von durchschnittlich etwa 1400 Bath.  Dies aber bis zu 30 (!!) mal im Jahr. Man könnte also 30-mal im Jahr zum Arzt gehen, und es darf immer höchstens 1400 THB kosten. Was hat das mit der Realität zu tun? Wer läuft in Thailand schon alle 12 Tage zum Arzt?? IdR geht man 2-3mal im Jahr zum Arzt, aber dann sind die Kosten idR signifikant höher. Mit Untersuchungen liegen die Kosten schnell bei 6000 Bath und darüber. Von denen bekommt man dann aber eben nur höchstens 1400 Bath von der Versicherung ersetzt. Eine Versicherung aber sollte, per Definition, gerade Beträge übernehmen, die über ein bestimmtes Maß hinausgehen. 1400 THB kann idR jeder als Eigenanteil locker selber zahlen.  Das Angebot hat also mit Versicherung im eigentlichen Sinne gar nichts zu tun.

Ergebnis: Zu 99.9% macht die Versicherung mit dieser Police einen satten Gewinn. Der Ausländer in Thailand kann auf ein solches Angebot gerne verzichten und das Geld für wirkliche Erkrankung zurücklegen. Aber er muss die Versicherung abschließen. Die „Versicherung“ ist Pflicht. Man kann die Lobbyarbeit der Versicherungen beim Gesetzgeber erkennen. Es geht hier um reinen Profit.

Die Alternative – keine Krankenversicherung und eigenes Risiko-Management

Und so gibt es gute Gründe in Thailand auf eine Versicherung zu verzichten. Es ist in Thailand durchaus möglich, die weitaus größten und häufigsten Gesundheitsrisiken zu weit über 90% selber abzudecken und dabei viel Geld einzusparen.

Aber dabei gibt es einiges zu beachten.

Vorab:

1. Menschen ohne finanzielle Rücklagen müssen krankenversichert sein, zumindest so lange bis ausreichend Rücklagen geschaffen wurden.

2. Eher ängstliche Personen sollten sich auch krankenversichern. Nicht versichert zu sein benötigt oft starke Nerven, es kann nervös machen. Versichert zu sein gibt ein subjektiv beruhigendes Gefühl, auch wenn eine Versicherung in der Realität weder vor Krankheit noch Siechtum und Tod schützt.

Sich nicht zu versichern, bedeutet Vorkehrungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.

Notwendig ist:

1. Eine gesunde Lebensweise. Man muss in der Lage sein, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Dies schließt Krankheit nicht aus, senkt aber die Risken.

2. Eine realistische Einstellung gegenüber Krankheit – und auch die Einsicht, dass man akzeptiert, dass unter Umständen nicht alles, was noch möglich wäre, auch gemacht werden kann bzw. auch gemacht werden sollte.

3. Ein dickes Fell. Es gilt Ängste und Risiken realistisch einzuschätzen, und sich nicht von den vielen Horrormeldungen und den vielen Aufforderungen sich endlich zu versichern, verrückt machen zu lassen.

4. Regelmäßig zum Arzt gehen. Eigene Risiken nicht ignorieren. Nicht versuchen unter allen Umständen Kosten zu verhindern. Krebsvorsorge ernstnehmen, eine Koloskopie mit 60 Jahren, bzw. bei positiver Familienanamnese auch früher, kann viele Kosten und Leid ersparen. So wie der Versicherte oft zu viel zum Arzt geht so tendiert der Nicht-Versicherte dazu Arztbesuche zu vermeiden, eigene Gesundheitsrisiken und Symptome zu ignorieren. Früh erkannt kann man Kosten sparen und Lebensqualität erhalten.

5. Eine genaue Planung. Es benötigt eine Vertrauensperson, möglichst Thai, die die Verhältnisse und das Interesse des Erkrankten genau kennt. Man sollte sich vor einer möglichen Erkrankung über die medizinischen Angebote am Wohnort informieren, über Qualität, Kosten, usw. Es gibt gewaltige Preis- und Qualitätsunterschiede. Ggf ist auch eine medizinisch erfahrene Person im persönlichen Umfeld von Nutzen. Regelmäßiger Austausch, ein Netzwerk mit Gleichgesinnten, um Erfahrungen zu teilen, ist sehr vorteilhaft.

6. Es muss ein signifikanter Geldbetrag vorhanden sein der bei Bedarf jederzeit und sofort freigesetzt werden kann. Mit dem Betrag sollte man in der Lage sein mindestens zwei grössere Behandlungen, z.B. Operationen mit zeitweiser Intensivbehandlung, abzudecken. Das Geld ist unabhängig von anderen finanziellen Notwendigkeiten in Thailand, zB für Visum oder tägliches Leben. Es ist nur und ausschließlich für mögliche medizinische Kosten.

Die Höhe des Geldbetrages mag flexibel sein, je nach Einkommen, erwarteten Service und Risikobereitschaft. Ich halte (Phi mal Daumen) 1 Million Bath für das Ziel. In diesen Topf sollte regelmäßig weiter eingezahlt werden. Etwa 200 Euro im Monat bringt über 100.000 Bath im Jahr. Geld was aus dem Topf entnommen wird, wird so wieder angespart.

Und nochmal: Dieser Betrag ist zusätzlich zu den 800.000 THB die für ein Jahresvisum gefordert werden. Eins hat mit dem anderen nichts zu tun.

7. Dazu ist ein gutes und regelmäßiges Einkommen sehr wichtig. Zusätzlich zu den Basislebenshaltungskosten sollten, falls es notwendig werden sollte, jeden Monat etwa 1000 Euro für regelmäßige medizinische Zwecke zur Verfügung stehen. Liegen also meine Basislebenshaltungskosten, also das Geld was ich unbedingt brauche, um meinen Lebensstandard zu halten, in Thailand bei 1000 Euro im Monat, dann brauche ich ein regelmäßiges Einkommen von mind. 2000 Euro im Monat. Wird das Geld nicht gebraucht, was eher wahrscheinlich ist, dann geniesst man die bessere Lebensqualität, und man gönnt sich die Reise an den Strand.

8. Und zum Schluss braucht man eine gute Familie und gute, liebenswerte Erben, für die es sich lohnt, Geld anzusparen und später zu vererben. Die Wahrscheinlichkeit ist nämlich gross dass man am Ende des Lebens dann noch viel Geld übrig hat, genau das Geld was sonst an Versicherungen und Krankenhäuser gegangen wäre.

Daraus ergibt sich, dass nicht versichert sein auch nicht unbedingt billig ist. Vergleicht man es aber mit den immer weiter steigenden Versicherungsbeiträgen über viele Jahre hinweg, dann ist es signifikant weniger. Mit Planung, Eigenverantwortung, und der Akzeptanz eines gewissen Restrisikos lässt sich sehr viel Geld einsparen.

Zum Schluss möchte ich feststellen, dass es erstrebenswert bleibt eine Krankenversicherung abzuschließen. Es ist nicht die Schuld des Einzelnen, dass dies nicht immer geschieht. Es ist das System, was versagt.

Wie aber müsste ein System aussehen, dass die Gesundheitsversorgung und damit auch das Versicherung bezahlbar hält?

1. Am wichtigsten ist eine grundlegende Reform im Versicherungswesen. Es braucht eine wirkliche Basisversicherung. Eine Versicherung die nicht alles, aber doch alles Notwendige abdeckt. Und das unter klaren Vorgaben der Versicherung, ein klares Schema nach dem sich der Versicherte zu verhalten hat. Freie Arztwahl klingt gut ist aber in der Realität nichts anderes als ein Grund für die Kostenexplosion im Gesundheitswesen.  Wer freie Arztwahl möchte, wer medizinische Versorgung auf allerhöchstem Niveau möchte, der soll dann auch extra dafür bezahlen. Gründe dafür gibt es – siehe oben.

2. Versicherungen sollten ein Belohnungssystem einführen. Der Versicherte muss weiter an die eigene Verantwortung für ihre/seine Gesundheit erinnert werden. Kostenbewusste Versicherte zahlen weniger.

3. Krankenhäuser müssen ihre Kosten publik machen. Sie müssen auch erklären wie sich Kosten zusammensetzen. Versicherungen können dann Verträge schließen und Vorgaben diktieren. Der Versicherte muss dann immer zuerst das Vertragskrankenhaus aufsuchen. Vertragsabschlüsse mit Versicherungen führt zu wirklicher Konkurrenz unter den Gesundheitsanbietern, und dadurch sinken Preise.

4. Der Einfluss der Gesundheitslobbisten muss dringend beschnitten werden. Deren Argumentation beruht idR. auf der Erzeugung von negativer Emotion, von Angst. Es ist einzig und alleine deren Ziel Gewinne zu maximieren.

Der Autor ist Arzt und lebt seit vielen Jahren als Rentner in Thailand. Angaben von Geldbeträge sind Schätzungen des Autors und können als Anhaltspunkt dienen. Angaben über Kosten und Leistungen von Versicherungen, gerade der thailändischen, sind auf deren Websites zu verifizieren.


Die ganze Serie

In dieser Serie zeige ich verschiedene Möglichkeiten für Krankenversicherungen auf – egal ob es sich um eine Reise oder ein Leben als Auswanderer handelt.

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Copyright Foto: koldunov

7 Kommentare zu „Langzeit-Auslandskrankenversicherung – eine schwierige Entscheidung“

  1. Heinz Lackner

    Für Inhaber einer österreichischen Wohnadresse gibt es beim ÖAMTC eine weltweite Reisekrankenversicherung bis 290.000,- €.
    Gilt auch für Personen im gemeinsamen Haushalt.
    Ausser dem Wohnsitz in Österreich ( muß kein österreichischer Staatsbürger sein) braucht man:
    ÖAMTC Schutzbrief ca. 120,–€ im Jahr
    Prämie für alle im Haushalt
    Ca. 60,–€ im Jahr
    Nachtel : gilt nur für 92 Tage
    Vorteil: bei neuem Reise-Antritt gelten sofort wieder die 92 Tage
    bei jedem neuen Reiseantritt auch wenn dieser am nächsten Tag nach der Rückkehr nach Österreich erfolgt.

    Diese ÖAMTC Versicherung wurde mit der UNIQA abgeschlossen.
    Auskunft:
    Info@uniqa.at
    und jeder ÖAMTC Stützpunkt.
    LG Heinz

    1. Hallo Heinz,

      herzlichen Dank für deinen Tipp für die Österreicher. Beim ADAC in D gibt es vergleichbare Versicherungen.
      Im Artikel geht es allerdings eher um Auswanderer, die nicht mehr regelmäßig in die Heimat kommen, um dort eine neue Reisekrankenversicherung abzuschließen.
      Außerdem braucht man bei der Verlängerung des Non-Immi O-A Visums spätestens ab dem 3. Jahr eine thailändische Krankenversicherung (aktueller Stand, das wird sich in den nächsten Monaten ändern.)

      Viele Grüße
      Stefan

  2. Ein sehr interessanter und vielschichtiger Bericht. Vielen Dank.
    In diesem Artikel werden eine Vielzahl von Nachteilen/Vorteilen und Unzulänglichkeiten Deutscher bzw. Thailändischer Versicherungsunternehmen und Tarifen angesprochen. Es wird offensichtlich die ältere Generation an, die in der Regel noch eine Restlebenszeit von 20 , mit viel Glück einige Jahre mehr, zu erwarten hat. In diesen Jahren werden wir m. E. keine Verbesserung des vom Kommerz bestimmten Versicherungs- und wohl auch Gesundheitssystem erleben deswegen sollte man sich weniger Gedanken um diese Unzulänglichkeiten machen sondern eher versuchen herauszuarbeiten wie man aus den vorhandenen Möglichkeiten unter Berücksichtigung seiner individuellen Situation das Beste für sich zu finden.

    Der Artikel beschreibt Nachteile und Nichtleistungen bzw. ungünstiges Preis-Leistungsverhältnisse der “meisten Versicherungsgesellschaften“.

    Es gibt allerdings auch Versicherungsgesellschaften in Thailand, die individuell auf den Versicherten zugeschnittenen Tarife anbieten. Tarife mit Abschlägen auf den Standarttarif mit bis zum Teil von 40 % (durch Selbstbehalte, OPD Ausschluss, Gruppentarife etc) und zusätzlich noch bis zu 15 % Abschläge bei Nichtinanspruchnahme der Versicherung. Und das sind Versicherungen, die auch hohe Leistungslimits anbieten, mit bis zu Leistungen pro Krankheit und Jahr von 2,3, oder sogar 5 Millionen THB. Die jährlichen Beiträge richten sich natürlich nach dem Eintrittsalter und Vorerkrankungen und bei intensiver Inanspruchnahme wird’s selbstredend teuer Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man für 3000 bis 5000 THB im Monat (je nach individuellem Eintrittsalter und Gesundheitsbild) ruhig schlafen kann.

    1. Hallo Gunnar,

      herzlichen Dank für dein differenziertes Feedback. Ich glaube, ich werde mich demnächst nochmal mit dir unterhalten müssen wg. deiner KV.

      Viele Grüße
      Stefan

    2. Wolfgang Preissler

      Hallo Gunnar, danke für Deinen Beitrag.
      Eine „gute“ Versicherung kann man ruhig beim Namen nennen. Würde mich sehr intressieren.

      Danke Wolfgang

  3. Ja, auch ich wollte eine Thai Kranken Versicherung abschließen. Bin 73 , sehr gesund, aber keine dieser Versicherungen die offiziell anerkannt werden, bietet für über 70 jährige noch eine Versicherung an.
    Wie du schon schriebst, für die O-A und gleiche Visa wird jetzt eine Krankenversicherung benötigt
    Ich bin hier verheiratet und benötige deshalb für das Visa keine Krankenversicherung.
    Verrückt, aber ist eben so.
    Leute, heiratet !!!!

    1. Hallo Kurt,

      danke für deinen Kommentar. Du zeigst einen Weg auf, mit dem man die im Artikel erwähnten Krankenversicherungen vermeiden kann. Das hatte ich so noch nicht gehört. Wo könnte ich das nachlesen?

      Ich glaube schon, dass man bei manchen der für die Verlängerung des Non-immigrant O-A nötigen Versicherungen in einem höheren Alter einsteigen kann. Einfach nachfragen. Allerdings sind die Prämien dann sehr hoch.

      Viele Grüße

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