Ganja ist legal in Thailand

Cannabis in aller Lungen? Zumindest in aller Munde!

Ich muss zugeben, es verwirrt mich. Und das nicht, weil ich einen Joint geraucht habe. Sondern weil die offiziellen Regeln, die veröffentlicht wurden, nicht mit dem sichtbaren Angebot übereinstimmen. Meine Wahrnehmung stimmt nicht überein mit dem, was ich wahrnehmen sollte. Eine Realitätsverzerrung – vielleicht doch ein Rausch?


Thailand im Juni 2022 – der Anbau von Cannabis wird legalisiert.

Der 9. Juni 2022 wird in die Geschichtsbücher eingehen. Ab diesem Tag ist der Anbau und Genuss von Ganja, wie Cannabis in Thailand heißt, legalisiert worden. Für medizinische Zwecke wie es in den staatlichen Medien immer heißt.

Aber die Regierung begnügt sich nicht mit diesen berauschenden Neuigkeiten, sie verschenkt sogar 1 Million Cannabis-Pflanzen an Privathaushalte. Home-grown bekommt eine ganz neue Bedeutung. Vor allem der bei weißen Ausländern wenig beliebte Gesundheitsminister Anutin („Farang sind dreckig, sie duschen nicht und verbreiten das Coronavirus“) scheint die treibende Kraft hinter diesem Vorstoß zu sein.

So fand sich am 10. Mai 2022 auf der Webseite des englischsprachigen Fernsehsenders NBT der Hinweis auf die Verteilung der Cannabis-Pflanzen an Haushalte nebst dem Hinweis auf medizinische Anwendung:

„Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul kündigte an, dass die thailändischen Bürger ab dem 9. Juni keine Genehmigung mehr für den Anbau von Cannabis in ihren Häusern benötigen. Das angebaute Cannabis muss von medizinischer Qualität sein und darf ausschließlich für medizinische Zwecke verwendet werden.“

Übrigens hatte seine Bhumjaithai-Partei – was so viel heißt wie stolzes Thailand – das schon im Wahlkampf 2019 angekündigt.


Das Gesetz

Cannabis darf in beliebigen Mengen angebaut werden. Eine einfache Registrierung in der App „Plook Ganja“ genügt. ABER die Teile der Pflanze und die daraus hergestellten Produkte dürfen nicht mehr als 0,2 % THC enthalten. (zur Erklärung: THC ist der berauschende Wirkstoff in der Pflanze.)

Wer kommerziell Marihuana anbaut, braucht allerdings eine Genehmigung der FDA Thailand. (Die Fachbegriffe siehe unten erklärt.)


Meine Wahrnehmung

Meine Wahrnehmung dagegen sieht ganz anders aus. In Sozialen Medien kursieren Bilder, Empfehlungen und Fotos eigener Erlebnisse. Auf dem Festival Thailand 420 in Bangkok bekommt jeder zwei Tütchen als Willkommen. Es werden öffentlich Marihuana und Utensililien zum Rauchen angeboten. Wer lieber Kekse isst, wird auch fündig.

Space Cookies

Ganz offen verkauft dieser Laden Space Cookies mit ordentlich Stoff drin. 109 Herbs liegt in Mae Lao einem Bezirk nahe am White Tempel in Chiang Rai.

Marihuana-Kekse in Chiang Rai

Sukhumweed

Der Name wäre Programm, wenn der Laden an der bekannten Sukhumvit-Road liegen würde. Er ist immerhin nur einen Kilometer entfernt. Macht nix. Der Name ist einfach cool.  

Soranut Masayavanich, genannt „Beer“, vergoss am 9. Juni Freudentränen. Sein Lebenstraum wurde wahr. Tatsächlich konnte er gleich am ersten Tag seine hereinströmende Kundschaft mit Gras ab 250 Baht pro Gramm bedienen.

Auf seiner Webseite findet sich die Erklärung dafür:

„Sukhumweed Industries arbeitet eng mit den lokalen Gemeinden zusammen, die der Politik der thailändischen Partei Phoomjaithai zur Legalisierung von Cannabis folgen und 6 Pflanzen für den medizinischen Gebrauch zu Hause erlauben. Wir sponsern, klären auf und erleichtern die Lizenzierung in insgesamt 30 Haushalten in unseren Gemeinden mit Hilfe der Richtlinien des thailändischen Gesundheitsamtes.“

Cannabliss

Was meinst du? Wird die Wortkombination aus Cannabis und Bliss (Wonne oder Glückseligkeit) zu richtig vielen Kunden führen? Die Farm und Produktionsstätte für CBD wurde um dieses Cafe ergänzt, das noch auf das richtige Datum für die Eröffnung wartet.

Ganjong-Farm mit Cannabliss Café
Die Ganjong-Farm mit dem Cannabliss-Café bei Chiang Rai

Legal? Illegal? Scheißegal!

Wenn man das so beobachtet, fühlt man sich an Zeiten der Legalisierung in Holland erinnert. Legalize Erdbeereis – free Mary Jane. Legale Party vor den Augen der Polizei. War das in den 80ern?


Politischer Eiertanz?

Der Artikel von Mathias Peer im Handelsblatt erklärt sehr schön, in welchem Dilemma sich die Regierung befindet. Auf der einen Seite soll ein neuer Wirtschaftszweig gefördert werden, auf der anderen soll „der Eindruck vermieden werden, dass Thailand zum neuen Kifferparadies wird“.

„Wie die Pflanzen genau verwendet werden dürfen, ist aber noch immer nicht genau festgelegt. Entsprechende Regulierungen müssen erst noch vom Parlament verabschiedet werden.

Geplant ist, dass der Konsum im Privaten zugelassen wird. Allerdings betonen die Behörden, dass sie sich gegen den Konsum von Marihuana als Freizeitdroge aussprechen. Stattdessen soll Cannabis für medizinische Anwendungen zum Einsatz kommen.“

Offensichtlich soll das Gesetz so schwammig sein, um politischen Widerstand zu vermeiden. Thai-Style.

So wurde auch schon zurückgerudert. Ein Gesetz wurde verabschiedet, dass den Geruch und Qualm von Ganja zu einem öffentlichen Ärgernis erklärt. Damit kann das Rauchen von Gras in der Öffentlichkeit unterbunden werden. Der Facebook-Kanal der thailändischen Regierung ist eine gute Quelle für solche Informationen: facebook.com/thailandprd



Eine Woche nach der Legalisierung wurde der Genuss von Marihuana für unter 20-Jährige untersagt, nachdem Jugendliche mit einer Überdosis ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, berichtet die Bangkok Post.

Die englischsprachige Zeitung „The Nation“ brachte in den letzten Tagen Artikel mit Warnungen der ungewollten negativen Auswirkungen von Cannabis-Konsum: Beeinträchtigung des Nervensystems, der Leber, der psychischen Gesundheit und zu niedriger Blutdruck  

Offensichtlich soll das Gesetz so schwammig sein, um politischen Widerstand zu vermeiden. Thai-Style.


Thailand Cannabiskonsum Strafe 

Auf den kleinen Inseln in der thailändischen Andamann-See waren die Reggae-Bars in den letzten 20 Jahren immer präsent. Wer sich auf dem kleinen Koh Chang, dem benachbarten Koh Phayam oder auf Koh Lipe ein wenig umhörte, konnte ohne Probleme den Soff seiner Träume finden. Dabei waren harte Strafen immer eine Bedrohung für die Konsumenten von weichen Drogen in Thailand. 

Reggae-Bar Pattaya

Mein Kollege Matt aus Chumpon beschreibt es sehr gut:

“Ähnlich wie bis vor kurzem der ehemalige philippinische Präsident Duterte hatte Thaksin Shinawatra, Premier von Thailand von 2001 bis 2006, in dieser Zeit den Drogen, auch Marihuana, den Krieg erklärt. Tausende Menschen wurden von der Staatsgewalt erschossen bzw. zu Tode verurteilt. In Indonesien, Malaysia und Singapur steht heute noch die Todesstrafe auf bestimmte Drogendelikte. Wenn man dies im Hinterkopf behält, ist es schon mehr als eine Zeitenwende, dass seit Juni 2022 Marihuana grundsätzlich entkriminalisiert wurde. Für den privaten Gebrauch von Ganja kommen Sie in Thailand nicht mehr ins Gefängnis.” (Hier geht es zu seinem Artikel auf lebeninthailand.net)

Die Strafverfolgung bei privatem Genuss hat sich also geändert, aber das bedeutet nicht, dass keine Strafen drohen können:

Einer Ankündigung des Gesundheitsministeriums (MOPH) zufolge gilt das Rauchen von Cannabis oder Hanf in der Öffentlichkeit als Belästigung, da der Rauch oder der Geruch die Gesundheit anderer Menschen gefährden und das Risiko von Krankheiten wie Lungenerkrankungen, Asthma und Bronchitis erhöhen kann.
Zuwiderhandelnde müssen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Monaten und/oder einer Geldstrafe von bis zu 25.000 Baht rechnen.


Wirksamkeit

Die medizinische Wirksamkeit dürfte mittlerweile ausreichend belegt, wenn auch nicht wissenschaftlich bewiesen sein. Hier möchte ich noch mal Matt von lebeninthailand.net zitieren:

  • Mittlerweile 3 unserer Überwinterer hatten teures Psychopharmaka von ihren europäischen Ärzten verschrieben bekommen. Diese nahmen sie schon seit Jahren ein. Nach mehrtägigem Einsatz von 2 bis 5 Tropfen Marihuanaöl nahmen alle die Chemiekacke nicht mehr zu sich. Sie konnten obendrein besser schlafen als vorher. Ein Mieter berichtete sogar, dass übliche Nebenwirkungen der Psychopharmaka bei Cannabisöl völlig ausblieben.
  • 2 mir bekannte Personen ersetzten Schlafpillen durch das Öl. Nicht nur hörten die Schlafstörungen nach einer gewissen Zeit auf, eine Thailänderin nimmt seit Monaten gar nichts mehr. Sie schläft heutzutage sehr gut, was ihr Jahre lang verwehrt blieb.
  • Eine uns gut bekannte 83 jährige Thailänderin hatte den Großteil ihres Lebens mit großflächiger Schuppenflechte zu kämpfen. Ärzte verschrieben über Jahrzehnte viel, aber eine Heilung schien aussichtslos. Vor 5 Jahren fing sie an, alle betroffenen Stellen mit Marihuanaöl einzureiben. Heute ist sie symptomfrei. Sie zeigte mir die Vorher-Bilder als sie vor mir stand. Der Unterschied war unglaublich. Es gibt absolut keinen Grund der Frau nicht zu glauben.

Matts Konsequenz ist die Überlegung, ob seine Frau und er nicht professionell Ganja in Chumphon anbauen sollten (Les seinen Artikel).

Du möchtest die Wirkung von CBD in Deutschland ausprobieren? Kein Problem, das ist absolut legal. Schau dir das seriöse Angebot eines der Marktführer an.

CBD VITAL wird 5 Jahre

Bislang trägt das Thema auch merkwürdige Blüten

So soll Marihuana statt Antibiotika in der Hühnerzucht angewendet werden: https://www.wochenblitz.com/news/huehnerzucht-marihuana-statt-antibiotika

Ein Verwandter meiner Frau würzt seine Suppe gerne mit Ganja. Dabei spekuliert er garantiert nicht auf einen Rausch. Anders als vielleicht die Liebhaber dieser besonderen Cannabis-Pizza.  

An den Universitäten in Chiang Mai und an der Rajabath-Universität in Chiang Ria wird an Cannabis geforscht. Nun kann man auch einen Hochschulabschluss in Cannabiswissenschaften ablegen.

Für Kongsri von CBD-Thai-Massage ist der Wirkstoff verdächtig. „Die Kombination von traditioneller Thai-Massage mit hochwertigen CBD Ölen, einem aus Cannabis sativa gewonnenen Wirkstoff, der im Verdacht steht, angstlösend und entspannend zu wirken.“  Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie sich die Wirkungen der beiden Anwendungen wunderbar ergänzen.

Übrigens, wer sich mal mit den Auswirkungen einer Cannabis-Legalisierung in Deutschland befassen will, sollte sich den Artikel von Donato Muro zu Gemüte führen: Was bedeutet eine Legalisierung für die Arbeitswelt?


Die aktuellen Regeln zum Cannabiskonsum in Thailand

In dieser Grafik der FDA Thailand wird erklärt, was erlaubt ist und was nicht.

Marihuana legal in Thailand - Regeln

Übersetzung

Grün bedeutet „das darf man“

  • Darf angepflanzt werden, muss aber angemeldet werden.
  • Besitz von Marihuana und Besitz von Blütenständen, Zweigen, Stängeln, und Wurzeln
  • Besitz eines Extrakts mit einem THC-Gehalt von höchstens 0,2 %
  • Teile der Cannabispflanze dürfen verkauft werden, z. B. Blätter, Blüten und Stiele
  • Extrakte verkaufen, die weniger als 0,2 % THC enthalten.

Gelb bedeutet „das darf man, braucht aber eine Genehmigung dafür“

  • Verkauf von Saatgut, Zuchtsorten und Sämlingen – Cham Breeding (Act B.E. 2518, Ministerium für Landwirtschaft und Genossenschaften)
  • Für den Handel mit Extrakten, die mehr als 0,2 % THC enthalten, ist eine Lizenz erforderlich, die sowohl für Käufer als auch für Verkäufer gilt
  • Die Herstellung und der Vertrieb von Lebensmitteln, Kosmetika, pflanzlichen Produkten, Arzneimitteln aus Cannabis und Hanf müssen den einschlägigen Gesetzen entsprechen.

Rot bedeutet „das ist verboten“

  • Rauchen von Marihuana an öffentlichen Plätzen ist verboten. Der Geruch oder Rauch ist laut Mitteilung des Ministeriums für öffentliche Gesundheit eine Belästigung.
  • Nicht an schwangere oder stillende Frauen verkaufen und abgeben.
  • Verkauf an Personen unter 20 Jahren.
  • Der Besitz von Extrakten, die mehr als 0,2 % THC enthalten, ist ohne Lizenz verboten.

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