Wahlen in Thailand – meine ganz persönlichen, individuellen Beobachtungen in der Provinz

Wahlen in Thailand. Democrat Party Thailand

Es ist ist nicht zu übersehen. Bald sind Wahlen in Thailand. An allen Straßen innerhalb und außerhalb der Städte schauen mich Politiker an, die gewählt werden wollen. Mit einer Nummer versehen und mal ernst, mal freundlich schauend heischen sie um Aufmerksamkeit. Dazu kommen dann die Wahlkämpfer, die in kleinen Gruppen mit lautstarker Unterstützung mit übergroßen Lautsprechern durch die Straßen ziehen und Broschüren verteilen. Auf den Begleitfahrzeugen prangen wieder die gleichen Damen und Herren. Die kernigen Durchsagen fallen besonders durch die penetrant häufige Wiederholung der Nummer der Kandidaten auf.

Ich habe ja herzlich wenig Ahnung von den Programmen und Inhalten der Politik der über 100 Parteien, die sich 2019 zur Wahl in Thailand stellen. Daher beschränkt sich meine Wahrnehmung vor allem auf das Äußere. Da gibt es aber einiges, was mir auffällt.

Jedem Haushalt wurde ein Heft ausgehändigt, in dem die Kandidaten vorgestellt werden. In meinem Wahlkreis sind es 10 Frauen und 24 Männer im Alter von 27 bis 74 Jahren. Viele schauen ernst, manchmal sogar grimmig wirkend, in die Kamera. Der Eindruck könnte natürlich auch durch die altersbedingt herunterhängenden Mundwinkel erzeugt werden.

Ein ordensbehangener hoher Offizier der Fallschirmspringer dagegen wirkt durch sein Lachen sehr sympathisch. Offensichtlich hat er gute Laune. Seine Pheua Thai Partei liegt in den Wählerumfragen vorne. Oder hat ihm gerade jemand einen guten Witz erzählt?

Pheu-Thai-Party

Wai – aber warum nicht direkt zum Betrachter?

Der Wai ist eine thaitypische Respektbezeugung vor allem bei der Begrüßung. Vergleichbar mit einem Diener, der bei einem Handschlag im Deutschland der 60er-Jahre noch üblich war. Je höher der Begrüßte, desto tiefer die Verbeugung. In Thailand: je höher der Status der Begrüßten, desto höher die Hände. Auf den Wahlplakaten sind die Hände auf Brusthöhe. Stehen wir Wähler so niedrig in unserem Status? Und warum machen die das Wai nicht in meine Richtung? Meinen die gar nicht mich?

Democrat Party Thailand

Damen auf jung getrimmt

Thais sind häufig narzisstisch veranlagt. Weshalb Gesichter auf Fotos oft retuschiert werden. Bei dieser Dame wurde das offenbar ein bisschen übertrieben. Aufheller und Faltenentferner des „Face Modus“ haben aus dem Gesicht der immerhin 49 Jahre alten Frau eine konturlose Maske werden lassen.

Luxus-Uhren

Wie hat mal jemand so schön gesagt: Der einzige Schmuck, den Männer tragen, sind Uhren. Daher fallen die schon mal pompöser aus. Abhisit, der Vorsitzende der Democrat Party in hellblau, scheint sicherheitshalber gleich mal zwei Uhren zu tragen. Eine Fitness-Uhr und wahrscheinlich eine IWC Pilot‘s Watch Chronograph Spitfire. Die 5000 bis 7000 US$ teure Uhr entspricht seinem Status und ist nichts im Vergleich zu den Luxus-Uhren eines Generals mit einem vergleichbar geringem Einkommen. Dessen bei offiziellen Anlässen getragene Uhren hatten letztes Jahr zu großen Diskussionen geführt.

Wem der junge Mann mit seiner 100,- Euro Fossil-Uhr nacheifert, ist nicht bekannt.

Die Zahlen sind wichtig

999

Mir wurde gesagt, dass sich viele Wahlberechtigte die Schreibweise der Namen nur schlecht merken können. Daher seien die Nummern der Kandidaten, die neben dem Namen und der Parteizugehörigkeit auf den Wahlzetteln stehen, so wichtig

Entsprechend penetrant werden diese Nummern dann bei den Durchsagen der Werbekolonnen wiederholt. Auch auf den Plakaten werden sie stark hervorgehoben. Manche übertreiben es dabei ein wenig.

Dieser Herr der bekannten Phue Thai Partei scheint sich besonders über die 1 zu freuen, weil das die am häufigsten angekreuzte Zahl ist, wenn Wähler unsicher sind, wo sie ihr Kreuz setzen sollen. Oder freut er sich über die Ergebnisse der Umfragen, die seine Partei zwei Wochen vor den Wahlen ganz vorne sehen?

Diese Partei hatte in einem anderen Wahlkreis das Glück auch die 1 zu ergattern. Denn wer bei der Anmeldung der Kandidaten bei der Kreisverwaltung zuerst kommt, erhält die 1. Leider ging beim Druck der Wahlplakate etwas schief. Zum Glück sind Arbeitskräfte billig und so konnte das auf den paar hundert Plakaten nachgebessert werden.

Phue-Thai-Party

Die Eltern sind auch dabei

Ganz typisch ist es, auf den Plakaten neben den Kandidaten für den Wahlkreis auch die starke Persönlichkeit der Partei zu zeigen. Meist stärken sie bildlich gesprochen den Rücken des Kandidaten. In diesem Fall sieht es so aus als wären das Mama und Papa. Ist doch schön die ganze Familie beisammen zu haben.

Attraktiv?

Es wurde ja schon häufig diskutiert, wie stark das Aussehen die Wahlergebnisse mitbestimmten. Auch bei den Wahlen in Thailand ist das ein Kriterium. Hier behaupten einige Abhisit wäre „หล่อ“, also handsome bzw. in Deutsch attraktiv. Ich finde er sieht für seine 54 Jahre gar nicht so schlecht aus (gibt es da einen direkten Zusammenhang mit seiner Fitness-Uhr?), aber für mich sind da andere viel ansehnlicher.

Future Forward Party Thailand

Diese „Future Forward Partei“ scheint viele junge Leute in ihren Reihen zu haben. Ihre Webseite kommt modern daher. Alle Inhalte sind auch in Englisch zu lesen.

Akha Candidate

Diesem Herrn scheint das Thema nicht ganz so wichtig zu sein. Er zielt mehr auf die Inhalte ab: gut essen, gut wohnen, gute Ausbildung, Spaß beim Sport und gute Preise für die Ernten.

Teure Versprechungen

Viele Parteien versprechen den Bürgern große finanzielle Unterstützung. Das kann als Mindestpreis für Reis und Kautschuk für Landwirtschaft geschehen (das ging schon mal schief) oder als für uns Mitteleuropäer normale soziale Absicherung in Form von Kindergeld, Arbeitslosengeld und Rente ausfallen. Wie das finanziert werden soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber auch den Thailändern, die ich frage, ist das nicht ganz klar.

Eine Partei hat dazu einen ganz besonderen Vorschlag …

Thailand – das neue Highland?

Die Bhumjaithai Partei – was so viel heißt wie stolzes Thailand – will Cannabis legalisieren. So sollen unter anderen die Landwirtschaft gefördert und die Steuereinnahmen erhöht werden. Als Beispiel werden die 2018 in Kalifornien eingenommen 4 Milliarden US$ aufgeführt. Auf die Frage, ob sich Bangkok dadurch in ein asiatisches Amsterdam mit den entsprechenden Coffee-Shops wandeln würde, antwortete der Politikberater Julpas „Die Hauptstädter wären darüber sehr glücklich.“  Klar. Voll happy. Grins.

Bild von der Webseite der Bhumjaithai-Partei

Dann wird auch „Alles ist gut“

Die nächste Partei wirbt dann auch konsequenterweise mit dem Slogan „no problem“. Dann ist ja alles gut.

no problem

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