Auf dem Boot in der Halong Bay

Vietnam und Thailand – Alles dasselbe in Süd-Ost-Asien?

“Stefan geht fremd. Ein Artikel über Vietnam? Das ist doch kein Vietnam Reise-Blog!” höre ich die Empörten. Stimmt, aber lese weiter.

Wir Reisende, die immer wieder nach Thailand zurückkommen, sind häufig sehr überzeugt von „unserem“ Land des Lächelns. Dabei sollten wir durchaus auch mal über den Tellerrand schauen.

Helena Lüddecke war so freundlich, für mich einen sehr persönlichen Vergleich zu erstellen und darzustellen, warum solch ein “über den Tellerrand schauen” bereichernd sein kann. Lese insbesondere dann weiter, wenn du dir schon mal überlegt hast, welche Reiseziele Vietnam dir bieten könnte.


Das Wort geht an Helena:

Viele Menschen bereisen direkt mehrere Länder innerhalb eines Monats – wir ziehen es vor, jedem Land eine eigene Reise (ca. einen Monat) Zeit zu geben, damit wir Land und Menschen besser kennenlernen können. Wie man es auch macht: Die Länder in Südostasien unterscheiden sich stark voneinander – nicht nur hinsichtlich der Sprache, sondern auch in der jeweils ganz eigenen Kultur. Du warst bereits in Thailand und überlegst, ob dich deine nächste Reise nach Vietnam führen könnte? Da habe ich das Richtige für dich: Einen kleinen Vergleich der beiden Länder aus meiner Erfahrung.

Die Menschen

Fange ich mit dem Wichtigsten an, den Menschen. Es heißt ja des Öfteren, die seien so unfreundlich da drüben in Vietnam – das kann ich null bestätigen. Die Freundlichkeit ist nur anders als in Thailand. Es ist nicht das Land des Lächelns. In Ninh Binh trafen wir einen Thai, mit dem wir genau darüber diskutierten: In Vietnam empfinde ich die Freundlichkeit als authentischer. Wenn die Leute keine Lust auf dich haben oder nur am Geld interessiert sind, zeigen sie es halt offen. Wir haben viele Leute getroffen, die unser Interesse bemerkt haben und uns stolz Sachen erklärt oder präsentiert haben – sei es durch kleine Aufmerksamkeiten aus der Küche oder Erklärungen. Ich als Wahl-Ruhrpottlerin schätze natürlich eine direkte Art und wenn Menschen einfach zeigen, wie sie sich fühlen. Ja, die Art ist etwas anders, aber unfreundlich? Davon habe ich nichts bemerkt. Wirf ein Lächeln in die Welt und es kommt zurück!

Sprache: Vietnamesisch

In Vietnam wird weniger Englisch gesprochen als in Thailand. Das liegt daran, dass der Tourismus vor allem in ländlicheren Gebieten noch sehr jung ist. Es lohnt sich also, vorab etwas Vietnamesisch zu lernen :-) Ansonsten kommt man jedoch mit einem Gemisch aus Englisch und lustiger Gestikulation auch zurecht – zur Not springt der Übersetzer des großen G’s ein.

Oder du schaffst dir den Vietnamesisch-Crashkurs an. Das Team vom Sprachcrashkurs.de ist absolut davon überzeugt, dass eine Reise intensiver wird, wenn man sich ein bisschen verständigen kann im Land. So wird auch der Kontakt zu Vietnamesen leichter mit dem Crashkurs. Probier es aus! Du wirst überrascht sein, wie leicht das möglich ist.

Die Landschaften

Die Landschaften sind furchtbar vielseitig und wunderschön. Es gibt Wüste, Dschungel, Höhlen, Karststeinformationen, Reisfelder, Großstadt, Dorfleben, … Hier bleiben keine Wünsche offen. Einzig beim tropischen Sandstrand wie in Thailand sind wir nicht fündig geworden – doch mit Sicherheit gibt es in Vietnam auch schöne Strände. Wir haben diese einfach nur nicht gesucht!

Die Halong Bucht ist außergewöhnlich schön. Aber das zieht auch sehr viele Touristen an.

Das Essen

Das Essen schmeckt mir persönlich in Thailand besser. Getränke werden in Vietnam immer mit Zucker angereichert und ich empfand die Gerichte einfach als etwas schwerer im Magen liegend. Es gibt viele regionale Spezialitäten – die Küche ist aber oft sehr seafood-lastig, weswegen ich da etwas im Regen stand. Satt sind wir jedoch immer geworden und etwas Leckeres gab es auch immer – trotzdem habe ich die Currys vermisst.

Einschub Stefan: Wenn dir das auch so geht, schau mal meinen Artikel über Thai-Curries inklusive Rezept für Massaman-Curry an.

 Vegetarische oder vegane Lokale gab es vor allem in den größeren Städten. Beim Streetfood ist meistens – auch wenn vegetarisch draufsteht – die bekannte Fischsauce drin. Vorher am besten nachfragen (Wie man das erfragen kann, zeigt der Vietnamesisch-Crashkurs).

Die Infrastruktur

Die Gebiete, die wir besucht haben, waren größtenteils touristisch gut erschlossen. Trotzdem war die Infrastruktur nicht ganz so gut wie in Thailand. Ist halt alles etwas ursprünglicher – dafür hat man aber mehr Abenteuerfeeling! Die Homestays und Guesthouses sind weiterverbreitet als Hotels. Weniger Luxus, dafür näher am echten Leben. Wieder ein Punkt für die, die Abenteuer und Authentizität dem Luxus der Hotelketten vorziehen. Man ist irgendwie “näher dran”. Genial waren die Fahrräder, die es bei fast jedem Homestay gratis gab – ich bin noch nie so viel Rad gefahren! Wir waren viel freier als in Thailand (da haben wir aber nie auf Fahrräder geachtet, dort gibt es sicher auch Möglichkeiten) in unserer Fortbewegung, da wir ja kein Roller fahren, zudem ist es meist sehr flach und gemütlich zu fahren.

Tipp von Stefan: Bei 12go kann man sich gut über Transportmöglichkeiten informieren und auch gleich buchen (insbesondere für die Hochsaison sinnvoll).



Das Reise-Budget für Vietnam

Preislich ist Vietnam etwas günstiger als Thailand. Wir haben für 26 Tage wieder insgesamt ca. 1200 Euro pro Person ausgegeben (ohne Hin- und Rückflug ab Deutschland, inkl. zwei Inlandsflüge), wie auch in Thailand – dort haben wir aber bedeutend weniger Ortswechseln gemacht! In dieser Summe enthalten sind alle Unterkünfte (Mittelklasse, sauber und günstig, meist Homestays), Ausflüge wie z.B. zu den Höhlen von Phong Nha oder zu der Halong Bucht, mehrere Stunden Zugfahrt, Essen (sowohl Streetfood als auch Restaurants), Souvenirs und Transfers.

Die Vietnam Reiseroute für 3 Wochen

1. Saigon oder Hoh Chi Minh City, nachts angekommen: 4 Nächte (hier klicken für Unterkünfte in Saigon bei Booking.com)

Übernachtet: Boholand Hostel, empfehle ich weiter, gute Lage, nette Familie! 

Highlights: Das Kriegsmuseum, Cafe Apartment

Don’t do: Schlechte Tagestour ins Mekong Delta

Weiter mit dem Flugzeug nach Da Nang und direkt nach Hoi An

2. Hoi An: 4 Nächte

Übernachtet im CoCo Farm Hoi An, absolute Empfehlung, Ausstattung komplett aus Holz im Wohnwagen-Stil (das ist nicht auf Booking.com zu finden)

Highlights: Radfahren durch die Reisfelder, die Innenstadt, das Essen.

Einschub Stefan: Wer es ein wenig luxuriöser haben möchte – mein Kollege Bernd Linnhoff empfiehlt das Little Hoi An Boutique Hotel.
Sein Kommentar zu Hoi An: “Können wir Hoi An empfehlen? Unbedingt! – Aber: Ihr seid dort nicht allein!”

Mit dem Zug nach Dong Hoi und direkt nach Phong Nha

3. Phong Nha Ke Bang: 2 Nächte

Übernachtet im Fami Homestay, nur empfehlenswert, wenn man es echt billig will. Würde beim nächsten Mal eine Nacht länger bleiben in einem anderen Homestay :-)

Das Lucky Homestay wird deutlich besser bewertet.

Highlights: Die Höhlen-Tour, gebucht über Farmstay Phong

Mit dem Zug nach Hanoi

4. Hanoi: 3 Nächte

Übernachtet im Hanoi Guest House Royal, mega Unterkunft! Absolute Empfehlung

Highlights: Das Stadtleben, Omamori Spa, der See, und das saubere Krankenhaus (welches ihr hoffentlich nicht “besichtigen” müsst)

5. Halong Bucht

Übernachtet: Kreuzfahrt gebucht mit Cozy Bay Cruise. Super Essen, gute Tour. Ist halt touristisch, darauf muss man sich einstellen :D

Den guten Preis bekamen wir über https://thesinhtour.com/en/cozy-bay-cruise-halong-2-days-1-night/ – wir sind dort persönlich hingegangen. Man muss etwas aufpassen – in Hanoi heißt jeder zweite Laden The Sinh Tourist. Am besten über Google Maps den Weg anzeigen lassen.

Auch auf GetYourGuide bekommt man ein super Angebot für die zweitägige Kreuzfahrt.

6. Hanoi: eine Nacht

Im selben Hotel zum Entspannen nach der Cruise. Mit dem Zug nach Ninh Binh

7. Ninh Binh: 4 Nächte

Übernachtet: Mai’s Homestay Trang An Village, Basic, aber sauber und sehr herzlich, empfehlenswert!

Highlights: Hoa Lu, Radfahren, Ziegenpizza und Bootstour.

Mit dem Zug nach Hanoi

8. Hanoi: nochmal 3 Nächte

Wieder dasselbe Hotel. Leider getrübt durch einen Krankenhausaufenthalt.

9. Bangkok, 2 Nächte. Drei gebucht, da unser Abflug nachts war und wir nochmal duschen wollten.

Was würde ich heute anders machen

Am Ende hatten wir einfach zu viel Zeit übrig, aber zu wenig, um noch einen Ausflug zu einem anderen Ort zu machen. Die letzten drei Nächte in Hanoi waren ja krankheitsbedingt nötig. Beim nächsten Mal würde ich Hanoi ans Ende packen und davor noch einen Ort einplanen. Die anderen Orte waren gut von der Zeit her, nur in Phong Nha würde ich eine Nacht mehr bleiben.

Beste Reisezeit Vietnam

Das kann man nicht so einfach bestimmen, sondern hängt von der Gegend ab, in die man reisen möchte. Denn durch die 3 verschiedenen Klimazonen, über die sich das Land erstreckt, kann man das Land eigentlich rund um das Jahr bereisen. Man findet immer irgendwo einen Flecken, wo das Wetter gut ist.

Empfehlenswert ist der Reiseführer vom Reise-Knowhow-Verlag. Umfassend und vor allem supergut gegliedert in der gewohnt hervorragenden Qualität.

Aus dem Verlag wird im Herbst 2023 auch die neue Auflage des Thailand-Reiseführers erscheinen. Diese Auflage wird komplett überarbeitet sein und ist ein ausgezeichneter Tipp für Individualreisende.

Mein Fazit zur Vietnam-Reise

Habt ihr Bock auf Vietnam bekommen? Gut! Es lohnt sich nämlich wirklich. Für jeden geeignet, der mal etwas anderes sehen möchte als Thailand, der auf der Suche nach neuen Abenteuern und anderer Kultur ist und der sich mal aus seiner Komfortzone bewegen möchte. Das Land ist echt toll!

Herzlichen Dank Helena für deine schöne Beschreibungen und Tipps.


Und dann noch ein paar Ergänzungen von mir:

Was gibt es sonst noch in Vietnam?

Phu Quoc ist ein vietnamesischer Inselbezirk, der sich gerade zum Ziel entwickelt für Reisende, die ein tropisches Paradies suchen. Entlang des Golfs von Thailand und nur 4 km von der Küste Kambodschas entfernt gelegen, war das Gebiet einst ein verschlafenes Fischerdorf. Das kennt man ja auch aus Thailand, zum Beispiel mit Railey bei Krabi oder auch das berühmt-berüchtigte Pattaya, das ja auch einst ein kleines Nest war.

Da Nang war mal sehr bekannt für seine Marmorberge, dürfte aber mittlerweile bei Reisenden vor allem wegen der goldenen Brücke mit den Riesenhänden in Erinnerung geblieben sein. Denn Bilder, die bei Instagram und anderen Social Media Kanälen zu sehen sind, gehen einem nicht mehr aus dem Kopf.

Foto von Weltfreund auf Instagram

Mein Kollege Bernd Linnhoff hat seinen Besuch auf der Brücke in seinem genial-lakonischen Stil beschrieben. Erst im zweiten Anlauf konnten er und seine Frau die goldene Brücke erkennen.

Einreisebestimmungen Vietnam

Vietnam hat kürzlich die Einreisebestimmungen deutlich gelockert. Deutsche Staatsangehörige dürfen seitdem bis zu 45 Tage visumfrei nach Vietnam reisen. Reisende aus anderen Ländern sollten prüfen, ob diese Regelung auch für sie gilt. Wer beispielsweise mit einem österreichischen oder Schweizer Pass nach Vietnam reisen möchte, muss im Voraus immer ein Visum beantragen. Doch in dem Fall kann das elektronische Touristenvisum für Vietnam relativ einfach online beantragt werden, das Aufenthalte von bis zu 90 Tagen gestattet. Damit sind die vietnamesischen Einreisebestimmungen denen von Thailand sehr ähnlich. Der größte Unterschied ist jedoch, dass visumfreie Aufenthalte in Thailand für Reisende aus einer größeren Anzahl an Ländern erlaubt sind. Dadurch können Reisende aus fast allen europäischen Ländern ohne Visum nach Thailand einreisen.


Photos by Masif / Valentyna April  / Dino KF Wong  /  Jelle Canipel on Reshot

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Hallo, ich bin Stefan

Seit 2014 lebe ich hauptsächlich in Chiang Rai, der nördlichsen Provinz Thailands.

Hier auf STEFANinTHAILAND berichte ich über Leben, Reisen und Radfahren in Thailand. Neugier und Lust auf Aktivitäten sind meine größte Motivation, um das Land zu erkunden. Vor allem für Chiang Rai könnte man mich als Experten bezeichnen.

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