Triathlon Thailand – Wird Chiang Rai das neue Zentrum im Norden?

Was macht eine Region zum idealen Trainingsgebiet für Triathlon im Winter? Diese Frage haben sich schon viele Athleten, Veranstalter und Trainer gestellt. Da ich die meiste Zeit des Jahres – insbesondere das Winterhalbjahr – hier verbringen, erfahre ich die Antwort jede Woche neu – die Provinz Chiang Rai ganz im Norden Thailands.

Ich trainiere wieder für Triathlon-Wettkämpfe. Anfang 30 hatte ich Blut geleckt und mich in wenigen Jahren vom Brustschwimmer zum Langstrecken-Teilnehmer entwickelt. Nächstes Jahr werde ich 60 und dann möchte ich noch mal schauen, was in meiner Altersklasse geht. Nicht geändert hat sich mein Ehrgeiz und die Lust an der Leistung, aber die angestrebte Distanz wird wohl keine Langstrecke mehr, denn mehr als 5 km Laufen gibt das Metall in meinem Fuß nicht mehr her.

Schon in den letzten Jahren war mir bewusst, wie sehr diese Gegend hier geeignet ist für sportliche Aktivitäten. Nun freue ich mich aber auch über die passende Infrastruktur für ein richtiges Training und den mittlerweile angebotenen Wettkämpfen.

Also, schauen wir doch mal Punkt für Punkt, was ein ideales Winter-Trainingsgebiet für Triathleten ausmacht:

Das passende Klima

Hier im Norden von Thailand ist das Klima im Winter richtig gut. Im September endet die Regenzeit. Ab November regnet es bis zum Februar so gut wie gar nicht mehr. Dabei sind die Temperaturen vor allem im Dezember und Januar sehr angenehm und bei weitem nicht so hoch wie im Süden.

Trainingsstrecken für intensive und regenerative Radeinheiten

Üppig grüne Karstberge mit 1000 Meter Höhenunterschied wie zum Beispiel die Grenzberge zu Myanmar bieten die Kulisse für herausfordernde Bergetappen. Aber natürlich muss es nicht immer gleich der Mae Sai Loop oder der Phu Chi Fah sein. Es gibt auch hügelige Runden in der Gegend, die auf gut ausgebauten, aber wenig befahrenen Straßen durch Dörfer, Felder und Wälder führen. Für eine low intense oder regenerative Trainingseinheit auf dem Rad bieten sich flache Ebenen mit Reisfeldern an. Hier ticken die Uhren spürbar langsamer.

Dabei ist nicht einmal gesagt, dass man alleine unterwegs ist. Radfahren ist in – „zeigt her eure teuren Bikes“ scheint das Motto zu sein. Dabei vermummen sich die Thais wie Beduinen, wenn sie unterwegs sind. Bloß keinen Sonnenstrahl zu viel an die Haut lassen, denn das Schönheitsideal fordert helle Haut.

Ab ins Wasser

Die Provinz Chiang Rai bietet in dieser Hinsicht alles – außer Meer. In Chiang Rai selbst finden sich in den beiden Universitäten 50-Meter-Becken mit sauberem und warmen Wasser. In den frühen Nachmittagsstunden habe ich hier schon oft alleine meine Bahnen gezogen. Abends kann man mit den einheimischen Sportlern und Studenten trainieren.

Um seine Open Water Einheiten zu absolvieren muss man nicht weit fahren. Seen gibt es genug. Manche davon mit sauberem Wasser, das direkt aus dem Bergen kommt. Mein Favorit war der Khun Nam in der Nähe von Mae Sai. Leider ist der gesperrt seit dem Drama um die jugendlichen Fußballspieler in der großen Höhle, der Tham Luang im Doi Nang Noon. Aber es gibt schöne Alternativen, wie zum Beispiel der Stausee Nam Huai Sak, an dessen Ufern das Meditationszentrum Rai Chern Thawan liegt. Hier finden auch zwei Wettkämpfe der unten beschriebenen Serie statt.

Beim Navy Triathlon in Chiang Saen wird im Mekong geschwommen, was schnelle Zeiten verspricht. Beim Chiang Rai Man werden wir im Nam Kok, der die Stadt in zwei Hälfte teilt, zum Teil auch gegen die Strömung ankämpfen müssen.

Laufstrecken: Reisfelder, Stadionbahnen, Berge und Treppen

Laufen kann man überall. Das zeigen auch die vielen Thailänder, die am Highway entlang joggen oder beim Lauftreff am Samstagabend in der Innenstadt von Mae Chan ihre Runden drehen. Aber es gibt auch schönere Alternativen zum Beispiel über satt grüne Reisefelder. Allerdings habe ich leider noch keine schöne, nicht asphaltierte Waldstrecke gefunden. Manche Parks oder Uferpromenaden werden von vielen Thailändern für Walking oder Jogging in den Abendstunden genutzt. Sogar der alte Flugplatz in Chiang Rai mit seiner fast 2 km langen Landebahn wird in den frühen Morgenstunden genutzt um Autofrei zu joggen.

Stadien mit den üblichen 400-Meter-Bahnen für Intervalltrainingseinheiten sind nicht nur in den Universitäten zu finden. Treppen für High Intense Intervall Training sind hauptsächlich an Tempeln auf Hügeln schon von weitem zu sehen. Wenn man sich quälen will, findet man passende Stellen.

Wettkämpfe – für alle was dabei

Der erste Phayao-Triathlon mit Radrunde um den schönen See war vielversprechend. Der Gouverneur der Provinz machte in seiner Ansprache deutlich, wie wichtig ihm das ist. Solche Veranstaltungen ziehen Sportler aus dem ganzen Land an und Touristen werden auf die Region aufmerksam. So zieht der schon einige Jahre angebotene Triathlon im Singhapark Chiang Rai Hunderte von Teilnehmer an. Auch die von der Navy veranstaltete Langstrecke am Mekong ist sehr populär. Und nun kommt auch noch der Chiang Rai Man mit Stage 1.0 und 1.1 vorab hinzu – das verspricht viel Spaß.

Insbesondere die Veranstaltungsserie mit olympischer Distanz, Sprint und Duathlon im November und Dezember als Vorbereitung auf den außergewöhnlichen Chiang Rai Man im Februar bietet abwechslungsreiche Herausforderungen. Die ersten beiden Stages finden auf einer sehr kurvigen Radstrecke statt, was mir sehr entgegen kommt.

Aber nicht nur Triathlonwettkämpfe, auch Lauf- und Radveranstaltungen zur Vorbereitung sind geboten. Ob es Ausfahrten auf den Doi Tung sind – dem berühmtesten Berg in der Provinz – oder Jedermann-Radrennen wie das Bangkok Air Classic, es ist für jeden und jede etwas dabei.

Wohlbefinden und Gesundheit

Für eine medizinische Versorgung ist hier in Chiang Rai bestens gesorgt.

Die thailändische Massage ist bekannt für ihre hervorragende Wirkung. Durch das Dehnen und Bearbeiten von Muskeln, Sehnen und Energiebahnen werden Verspannungen gelöst und die Beweglichkeit erhöht.

Meine Empfehlung: Eher mehr als die übliche Stunde massieren lassen. Ich bevorzuge anderthalb Stunden. Dabei kann ich richtig loslassen. Für Neulinge kann die Thai-Massage am Anfang eher unangenehm bis schmerzhaft sein. Mein Tipp ist, an mehreren Tagen hintereinander massieren lassen bis sich die Muskeln entspannen. „Bau bau“ heißt „sanfter, nicht so stark“ auf Thai.

Mit den angesehenen und modernen Krankenhäusern Overbrook, Sriburin und Bangkok Hospital ist für eine ambulante und stationäre Versorgung gesorgt. Erfahrene Ärzte gibt es auch im staatlichen Krankenhaus. Allerdings sind die Wartezeiten dort deutlich länger. Das Universitätsklinikum Mae Fah Luang bietet modernste Einrichtungen und z.B. günstige Röntgenuntersuchungen, aber die Ärzte sind meist nicht so erfahren wie in den anderen Krankenhäusern in Chiang Rai.

Physiotherapie gibt es z.B. im Overbrook, aber die Qualität ist nicht mit Mitteleuropa zu vergleichen. Bei Schwierigkeiten kann ich eine sehr erfahrene Masseurin empfehlen, die in Deutschland eine Massagepraxis hatte und auch diverse Massagetechniken unterrichtet.

Anreise

Okay. Irgendeinen Haken muss die Sache ja haben. Die Anreise von Deutschland mit einer Flugzeit von mindestens 10,5 Stunden ist verhältnismäßig lang. Und dann kommt ja auch noch der Inlandsflug nach Chiang Rai dazu. Mal eben übers verlängerte Wochenende herjetten und ein paar Runden drehen – das ist vielleicht bei Mallorca möglich, aber hier nicht.

Zwei, besser noch drei Wochen sollten es schon sein für ein Trainingscamp in Thailand. Überwintern und dem unangenehmen Winter aus dem Weg gehen ist natürlich die beste Wahl. Ein kleines Häuschen günstig mieten und richtig viel Radfahren, so macht das ein schottische Pärchen schon seit Jahren.

Ich suche mir meist eine Fluggesellschaft aus, die meine Radbox kostenlos mitnimmt. Vietnam Airways war da bis vor kurzem eine gute Wahl. Direktflug von Frankfurt nach Hanoi oder Saigon und dann noch kurz über Bangkok nach Chiang Rai. Innerhalb Thailands nehmen Bangkok Airways und NokAir Räder kostenlos mit und bieten noch günstige Tickets dazu.

Natürlich kann man auch den Bus nehmen von Bangkok oder einer anderen Stadt. Tipps dazu findest du hier: Meine Erfahrungen mit dem Rad in Thailand

Ein Coach soll dich noch schneller machen?

Training am alten Flugplatz Chiang Rai

Klar, geht. Andre Weyers, ein zertifizierter Triathlon-Trainer aus Berlin begleitet seine Athleten mit individuellen Trainingsplänen und mehr oder weniger intensiven Trainingseinheiten.

Ein Champion aus Chiang Rai

Mae Sai, die nördlichste Stadt in der nördlichsten Provinz Thailands, beheimatet einen zukünftigen Champion. Phonpai ist 20 Jahre jung und ausgestattet mit einem wunderschönen und perfekten Körper für Triathlon. Sein Trainer Kob im örtlichen Triathlon-Club baut das Talent langsam auf. Er war schon auf den ASEAN-Meisterschaften als Mitglieder der Nationalmannschaft bei der olympischen Distanz erfolgreich. „Wir haben hier einen zukünftigen Champion“, ist sich Kob sicher. Wenn man den jungen Athleten schwimmen, fahren und laufen sieht, glaubt man ihm das aufs Wort.

Wenn ich schon so am Schwärmen bin: für weniger sportliche Begleiter wird natürlich auch extrem viel geboten. Ein Besucher, dem ich eine schöne Radstrecke empfohlen hatte, meinte seine Frau liebe den Pool im Hotel. Ein anderer konnte keine Tempel mehr sehen. „Jeden Tag will sie ein neues Wat sehen.“ Zum Glück gibt es in Chiang Rai davon eine berühmte Auswahl in verschiedenen Farben. „Ich trainiere dann lieber. Aber abends gehen wir zusammen in ein schönes Restaurant.“


Mein Fazit

Jeder kann sich davon überzeugen, dass sich die Region Chiang Rai bestens eignet für Triathlon-Training im Winterhalbjahr. Angenehme bis heiße Temperaturen, grandiose Landschaften, ein gut ausgebautes Straßennetz mit zum Teil wenig Verkehr, mehrere Pools und Seen. Und das alles in einer exotischen Umgebung mit superfreundlichen Menschen und leckerem Essen. Probier es aus!

Abgesehen davon gibt es noch die Perspektive der thailändischen Sportler und Funktionäre. Triathlon ist eine vergleichsweise teure Sportart, bei der ein starker Wille und ein gesunder Körper nötig sind. Ideal also, um sich zu profilieren. Entsprechend elitär scheint mir Triathlon in Thailand. Die Politiker wollen den Wandel Chiang Rais zur Sporthochburg weiter vorantreiben. Es bleibt spannend.

So, jetzt muss ich aber los. Keine Zeit mehr zu schreiben, Intervallläufe stehen an.

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