Leben und Sterben in Thailand

„Ich wohne schon 12 Jahre hier und hier werde ich sterben“, waren seine Worte als wir uns vor bald drei Jahren kennen lernten. Das hat mir imponiert. Meist sehen Auswanderer nur die gute Zeit in ihrem neuen Leben und haben selten ein Bewusstsein für die letzte Konsequenz ihrer Entscheidung.

Als ich hier in dieses kleine Dorf zog, fragten mich die Leute immer wieder, ob ich den anderen Farang im Ort kennen würde. Nach ein paar Wochen waren wir uns immer noch nicht begegnet und meine Neugier wuchs. Also fragte ich mich zu seinem Haus durch und klingelte einfach. Zunächst war er erstaunt, aber wir kamen schnell ins Gespräch und bald trafen wir uns öfters.

Mein Nachbar lebte ein recht ruhiges und sehr normales Leben, das genauso gut auch in seinem Heimatland hätte stattfinden können. Aber er wählte ein kleines Dorf in Nordthailand. Wegen dem angenehmen Klima, wegen seiner Frau und wegen der Möglichkeit, sich früh aus dem Arbeitsleben zurück ziehen zu können.

Sein Tod hat mich berührt, die Trauer seiner Frau erschüttert. Es ist das erste Mal, dass ich den Tod eines Farang miterlebe, der mir nahesteht. In Diskussionen in Expat-Foren, die ich im Internet verfolge, raten die Kommentatoren z.B. einem unheilbar erkrankten Auswanderer auf jeden Fall in die alte Heimat zurück zu kehren. Argumente sind die Angehörigen und die vermeintlich bessere medizinische Versorgung.

Mein Nachbar ist dort gestorben, wo er wollte.

 

Ich verschleiere bewusst seine Identität, weil er nicht namentlich erwähnt sein wollte in meinem Blog. Meine Anteilnahme gilt vor allem seiner thailändischen Frau und seinen beiden Söhnen, die hierherkamen, um ihren Vater auf dem letzten Weg zu begleiten. Sie gilt aber auch seiner alten Mutter. Kinder sollten nicht vor ihren Eltern sterben.

Er wollte den thailändischen Gebräuchen folgend in einer buddhistischen Zeremonie eingeäschert werden. 3 Tage lang kamen Freunde und Nachbarn, um Abschied zu nehmen und die Seele auf ihrem Weg aus dem Körper nicht alleine zu lassen. Jeden Abend beteten die Mönche aus dem Tempel im Dorf gemeinsam mit den Gästen für seine Seele.

 

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