Zeitgenössische thailändische Kunst im schwarzen Haus Chiang Rai

Eine Chiang Rai Sehenswürdigkeit, die mir am besten gefällt: das Ban Dam – auf deutsch Schwarzes Haus oder Schwarzer Tempel genannt am nördlichen Rand von Chiang Rai. Der thailändische Künstler Thawan Duchanee hat hier ein Gelände erschaffen mit 40 Bauten voll mit Tierhäuten, Hörnern, Skeletten, Muscheln, Holzgebilden, traditionellen Gebrauchsgegenständen – und Kunst.

Künstler im Ban Dam Chiang Rai

„Ein großartiger Kontrast.“ Das ist, was mir zuerst auffiel, als ich zum ersten Mal den weißen Tempel und das schwarze Haus in Chiang Rai an einem Tag besuchte. Häufig führe ich Besucher zu beiden Orten, um ihnen auch diesen Eindruck zu vermitteln.

Was ist so attraktiv an diesen dunklen Bauten im Ban Dam mit ihren teilweise makabren Inhalten?

Thawan Duchanee war fasziniert vom Tod. Als Buddhist war ihm der Kreislauf von Geburt, Altwerden und Vergehen sehr bewusst. Zehn Jahre vor seinem Tod meinte er: „Seit ich 36 bin habe ich über den Tod nachgedacht, mich selbst gefragt, was ich erreicht habe. Dadurch bleibe ich immer im Bewusstsein. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass die Zunge einer Viper uns jederzeit beißen und töten kann.“ (Bangkok Post)

In der Schönheit vieler Elemente auf dem Gelände im Kontrast zu den vielen toten Tieren wird uns die Endlichkeit dieses Lebens bewusst. Und dann die riesigen Gemälde, die in einem Spiegel-Artikel auch mal als „phantasmagorisch und bekannt für ihre farblich dichte Strudelwirkung“ bezeichnet werden.

Schwarzer Tempel Eingang. Gleich links das größte Gebäude auf dem Gelände. Tempelartig. Mein erster Eindruck: gigantisch. Ich mag diese hohen Säulen und das typische abgestufte Dach. Alles ist aus dunklem Holz. Viele Türen und Säulen sind mit wilden Skulpturen verziert. Im Inneren stehen lange Tische mit hohen Stühlen, die irgendwie einladen sich hinzusetzen und ein Gelage zu veranstalten. Und dann die Felle, Tierhäute, Hörner und Knochen überall. Auf einem langen Tisch liegt die fünf Meter lange Haut einer Python, auf der lauter Münzen liegen. Im ausgestopften Maul stecken Geldscheine. Wollen so die Besucher den Betrieb der Anlage finanzieren? Oder ist das so eine Art Trevi-Brunnen und das Geld soll Glück bringen? Auf einem anderen Tisch liegt ein Krokodil. Überall stehen Schilder, dass man nichts anfassen darf, aber fotografieren ist möglich.

Draußen gibt es weitere Holzgebäude, die alle gestopft voll sind mit skurrilen Dingen. Das Gästezimmer mit den Glaswänden gefällt mir besonders. Hier würde ich gern mal übernachten – ohne all die Touristen. Ein paar Kuppelhäuser – merkwürdigerweise in weiß – sind ebenfalls voll mit zum Teil afrikanisch angehauchten Gegenständen. Holzschnitzereien, wie ich sie aus Kenia kenne. Muscheln, Antilopen-Felle, Speere. Ein weiteres Gebäude hat die Form eines abstrakten Wals, diesmal in Anthrazit. Das Ganze wirkt animalisch auf mich. Viele Besucher fühlen sich zwischen den vielen toten Tieren nicht wohl, ich finde es absolut faszinierend.

Die Gemälde – vor allem in Rot, Schwarz und Weiß gehalten – ziehen mich in ihren Bann. Der Kampf des Büffels mit dem Tiger ist für mich das absolute Highlight. Wenn ich mich darauf einlasse, kann ich den Kampf sehen, die Muskeln, das Blut. Aber auch die wilden Pferde strotzen nur so vor Kraft.

Thawan Duchanee (1939 bis 2014)

Thawan Duchanee - einer der größten zeitgenössischen Künstler Thailands

Dort wo heute die Gebäude des Museums stehen, spielte Thawan als Kind. Die Fokussierung beim Messerwerfen und Bogenschießen halfen ihm auch später mit dem Pinsel in der Hand. In den 60ern studierte er in Amsterdam und war unter anderen wegen seinem Humor und seiner Exzentrik beliebt. 2001 wurde er trotz einiger Kontroversen mit der Auszeichnung „Thailändischen Nationalkünstler“ geehrt. Sein Bart war sein äußeres Erkennungszeichen. Ein weiteres war seine Fähigkeit, die Wahrheit hinter jungenhaften Witzen und Sarksamus zu verstecken.

Bandam Museum

Eintritt 80 Baht pro Person. Die angrenzende Galerie ist kostenlos.
Öffnungszeiten täglich von 9 bis 17 Uhr

Beste Reisezeit

Leider kann man auch schon mal Pech haben und sich den falschen Tag aussuchen. Insbesondere in der besten Reisezeit für Nordthailand, den Wintermonaten, tummeln sich auf dem Gelände sehr viele Touristen. An den Wochenenden zumeist thailändische Reisende, sonst aber häufig chinesische. Am besten meidet man die heftigen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, sowie die Feiertage um Chinesisch Neujahr und Songkran.

Anfahrt bzw. Reise nach Chiang Rai

Das Reiseziel Chiang Rai wird von den meisten Reisenden auf dem Weg nach Laos „mitgenommen“. Dabei bieten sowohl Stadt als auch Provinz viele sehenswerte Ziele.

Nach Chiang Rai gelangt man normalerweise mit dem Flugzeug oder mit dem Green Bus aus Chiang Mai. Auch von Bangkok aus oder anderen Städten in Thailand gibt es Busverbindungen nach Chiang Rai.

Vom Busbahnhof in der Innenstadt fahren halbstündig die lokalen, grüne Busse nach Mae Sai oder Chiang Saen. Nach 12 Kilometer Fahrt steigt man direkt nach dem Bangkok Hospital aus und läuft den restlichen Kilometer zu Fuß. Kosten ca. 20 Baht.

Alternativ kann man ein Taxi oder ein Tuk-Tuk anhäuern. Wenn kein Taxi zu sehen ist, wäre die App „Grab-Taxi“ eine gute Möglichkeit ohne lange Wartezeit schnell loszukommen.

Für Selbstfahrer (zum Beispiel mit einem gemieteten Roller) ist das Baan Dam genau so zu erreichen. Auf dem Highway No. 1 Richtung Norden. Hinter dem neu eröffneten Bangkok Hospital biegt ein kleine Straße nach links ab. Das Schild ist leicht zu übersehen, das nach ein paar Kurven und Abzweigungen erreichte Gelände definitiv nicht.

Mein Tipp für einen Ausflug zu Weißer Tempel und Schwarzes Haus

Get your Guide bietet Ausflüge mit englischsprachigem Guide von Chiang Mai aus an. Dabei wird der Besuch von Weißem Tempel und schwarzem Haus an einem Tag kombiniert. So kommt man ganz bequem in den Genuss einer Tour zu den besten Sehenswürdigkeiten Chiang Rai.