Menschen in Mae Sai – die drei deutschen Jungs

Die drei deutschen Jungs in Mae Sai Nordthailand

Neulich habe ich erfahren, dass es hier in Mae Sai, der nördlichsten Stadt in Thailand, eine WG mit 15 jungen Deutschen gibt. Das hat mich natürlich extrem neugierig gemacht. Was machen die hier? Und warum so viele? Und wie ist das mit Anfang 20 in einer Stadt zu leben, wo es so wenige Ausländer gibt?

Ich sitze mit Gregor, Lukas und Marc im Cafe for Rest am Highway kurz vor Mae Sai in Nordthailand. Wir haben eine gute Aussicht auf den Doi Nang Noon und einen leckeren Kaffee vor uns. Die drei habe ich bei Baan Doi kennen gelernt, der sozialen Einrichtung, bei der ich arbeite. Sie hatten sich in ihrer Freizeit am Wochenende an einem kleinen Projekt beteiligt. Die Jungs unterrichten nämlich während der Woche Englisch an staatlichen Schulen in Mae Sai.

FSJ (*) ist das Schlüsselwort, das alle verbindet. Sie hatten sich bei Welt-sicht.org in Deutschland auf eine FSJ-Stelle beworben und waren dann in Nordthailand gelandet um in den staatlichen Schulen den Englischunterricht zu ergänzen. Auf meine Frage, was denn die Motivation gewesen sei gerade nach Thailand zu kommen, gab es eine überraschende Antwort. “Wir wollten eigentlich nach Nepal“, meinten Lukas und Gregor. Etwas von der Welt sehen und gleichzeitig etwas Gutes tun, war der Beweggrund der Beiden, wobei Gregor einschränkt „naja, und so recht wusste ich auch nicht, wie es nach dem Abi weiter gehen sollte“. Aus Nepal wurde nichts, weil die Bedingungen für NGOs dort gerade sehr schwierig sind.

Und wie geht es ihnen nun damit stattdessen hier gelandet zu sein? Gut, sehr gut sogar. Lukas betrachtet den Englischunterricht als Entwicklungshilfe nicht für Thailand, sondern für die Kinder der Region. „Der kulturelle Austausch und die Hilfe bei der Aussprache ist auf jeden Fall für die Kinder super. Obwohl wir theoretisch einem thailändischen Lehrer den Job weg nehmen.“ ergänzt Gregor. Ich meine, das ist nur theoretisch richtig. Eine aktuelle Meldung in den Medien berichtet, dass Lehrer aus dem Ruhestand aktiviert werden sollen, um den Bedarf zu decken. Es gibt gar nicht genug gut ausgebildete thailändische Englischlehrer.

Bei Marc lief das Ganze ein wenig anders. Er hatte sich Thailand bewusst ausgesucht, weil er das Land schon von seinem Urlaub her kannte. „Nach meiner Ausbildung als Schornsteinfeger habe ich erst mal ein paar Jahre gearbeitet, aber dann dachte ich mir, das kann doch nicht alles sein. Und da ich schon immer mal im Ausland leben wollte, habe ich mich umgeschaut, wie das möglich sein könnte.“ Mir imponiert, dass er sich auf dieses Abenteuer wirklich eingelassen hat und auch Wohnung und Job dafür gekündigt hat.

„Und euch gefällt es wirklich in Mae Sai?“ frage ich die Drei ein bisschen verblüfft. Das eindeutige Ja erstaunt mich. Klar, das ist hier nix für Partygänger, sind wir uns einig. Aber genau wie mir gefällt ihnen die Natur drum herum, die Überschaubarkeit der Kleinstadt und vor allem, dass man hier viel eher mit Thais in Kontakt kommt und sich mit der thailändischen Kultur auseinander setzen muss. Ihre Kollegen in der Nähe von Chiang Rai seien ständig in der Stadt unterwegs und würden sich nur mit Europäern treffen.

Ich will natürlich von ihnen wissen, was man in Mae Sai als Besucher unbedingt machen sollte. Den Affentempel in Baan Tham und den Skorpionstempel (Wat Doi Wao) in der Innenstadt von Mae Sai, sowie das Goldene Dreieck müsse man schon gesehen haben (siehe auch Ausflugsziele bei Mae Sai). „Unser Lieblings-Cafe ist das Poonnawat und das Som Tam in meiner Schule ist genial, aber leider kann man das nicht kaufen“ sind weitere Tipps. Und dann ergänzen alle Drei „Aber wirklich spannend ist es sich mal eine Stunde beim Northernmost of Thailand das Leben an der Brücke nach Burma anzuschauen. Da sieht man Gangs, Schmuggler und bettelnde Kinder – Sachen, die du sonst nicht siehst in deinem Leben.“ Und wenn man noch tiefer eintauchen will, dann solle man die vielen NGOs besuchen, die hier tätig sind. Da weiß man dann zu schätzen, dass man in Deutschland geboren ist. (Zum Beispiel Baan Doi).

Mir gefallen die Jungs. Ich finde es großartig, dass sie sich so einlassen auf dieses Unbekannte und auch Unbequeme einer anderen Kultur während viele andere 20-jährige es sich bequem machen und nur Party im Kopf haben oder im Urlaub in Thailand dann die Sau raus lassen (sorry, ist so, die gibt’s eben auch zuhauf). So kommen wir auch auf das Thema Verhalten in Thailand zu sprechen. Sie hätten im 2-wöchigen Vorbereitungsseminar schon einiges über Do und Don’ts erfahren und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl bekäme man das auf jeden Fall gut hin, meinen sie. Vor allem aber sollten sich Europäer nicht als was Besseres fühlen, bloß weil sie sich mit ihrem Geld hier so viel mehr leisten können.

„Und, gibt es schon irgendwelche Erkenntnisse?“ will ich von ihnen wissen. Lukas ist erstaunt darüber, wie schnell sich bei ihm das Gefühl von Alltag eingestellt hat. Dadurch fühlt er sich als Teil des Ganzen hier und nicht nur als Beobachter bzw. Urlauber. Und Marc hat einen für sein Alter wirklich weisen Spruch: Es ist nie zu spät seine Träume zu verwirklichen. Mein Eindruck ist, dass die Jungs stärker geworden sind durch die Zeit im Ausland. So wagen sie nun auch mehr, was ich an ihren Zukunftsplänen nach der Halbzeit hier in Thailand erkennen kann. Die Drei haben ganz klare Vorstellungen davon, wie es weiter geht, und das ist durchaus interessant und herausfordernd.

Na, dann mal gutes Gelingen! (und hoffentlich lädt mich Gregor mal zu seinem Unterricht ein, damit ich das leckere Essen an seiner Schule probieren kann ;-)

In dieser Serie stelle ich interessante Menschen vor, denen ich hier in Mae Sai ganz im Norden von Thailand begegne. Mehr „Menschen in Mae Sai“ sind auf der Seite Menschen in Mae Sai zu finden.

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(*) Das „freiwillige soziale Jahr“ ist eine beliebte Möglichkeit bei jungen Menschen in Deutschland, die Zeit zwischen Schule und „ja, genau, was kommt denn danach?“ zu überbrücken. Für die meisten FSJler, die ich als Erlebnispädagoge kennen gelernt habe, war es eine Orientierungsphase, die für einige auch zu einer wichtigen Phase der Persönlichkeitsentwicklung wurde.

2 thoughts on “Menschen in Mae Sai – die drei deutschen Jungs

  1. Toller Bericht Stefan, eigentlich ist der zu noch mehr berufen wie dein blog zu verzieren. Finds auch toll dass man mal was von so engagierten Junen Leuten hört.
    Gruss
    Mattl

    1. Danke für das Lob Mattl. Das macht mir Mut weiter zu machen. Bin grad dabei ein paar Berichte für andere Seiten schreiben, um den Thai-Crashkurs zu promoten.

      Sonnige Grüße von Koh Chang
      Stefan

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