Ein Jahr ohne Auto, warme Dusche und Deo

Ja, das geht wirklich. Auf Dinge verzichten, die für ein Leben in Deutschland nicht fehlen dürfen. Sogar ohne Deo – fragt die Leute, die mich hier persönlich getroffen haben ;-)

Ein Jahr lang habe ich in Thailand gelebt, in einem exotischen Land und einer exotischen Kultur, aber es war definitiv kein Urlaub. Eigentlich hatte ich schon in meinen Mittzwanzigern gedacht, dass ich mal im Ausland leben würde. Damals hatte ich das Reisen für mich entdeckt und auch Thailand. Nun, es kam erst mal anders. Da ich aber keiner bin, der beim älter werden aufhört Neues zu entdecken und auszuprobieren, konnte ich es nun doch erleben.

Ich glaube vor allem reizte mich daran, heraus zu finden, ob ich es wirklich kann. Denn einfach ist es nicht, sich auf ein sehr einfaches Leben in einem komplett andersartigen Rahmen einzulassen. So war eines meiner Ziele für dieses Jahr auch, heraus zu finden, mit wie wenig ich tatsächlich noch auskomme, wie wenig ich brauche um mich wohl zu fühlen. Jetzt weiß ich, dass mir vor allem ein Zuhause, ein Platz wichtig ist, wo ich mich zurück ziehen kann und wo ich Ruhe finde, dass Freunde oder zumindest gute, wohlwollende Kontakte, am besten in meiner Muttersprache, essentiell sind und dass ich wirklich nicht viel Luxus brauche, denn der größte Luxus ist doch, sich auf so ein Abenteuer einlassen zu können.

Da ich thailändisches Essen sehr mag und durch Patu, die hervorragende Köchin von Baan Doi, auch sehr verwöhnt wurde, fehlte mir europäisches Essen nur selten. Nachdem ich hin und wieder mal Äpfel gekauft habe und heraus gefunden hatte, wo es guten Salat gab (und mir die sündhaft teuren Olivenöl und Balsamico dazu geleistet hatte), gab es eigentlich nur Brot, das mir wirklich fehlte.

Ach ja, ein Fahrrad brauche ich noch, denn das ist nach wie vor für mich die beste Art der körperlichen „Ertüchtigung“. Wenn ein Problem meine Gedanken besetzt oder wenn ich schlechte Laune habe – Fahrradfahren hilft immer.

Wichtig ist auch eine Aufgabe. Meine Aufgabe war meine Arbeit in der sozialen Einrichtung Baan Doi. Der Auslöser meines Thailandaufenthalts war die Gelegenheit hier als Volunteer mitzuhelfen und die Stiftung vor Ort bestmöglich zu unterstützen (dazu mehr im BAAN DOI Sommer-Newsletter, den man hier abonnieren kann). Die Kinder im Waisenheim haben mir einen schönen Abschied bereitet. Wir hatten viel Spaß miteinander.

Mein Blog ist auch eine Aufgabe, die mich mit Freude erfüllt. Hier kann ich viele Beobachtungen und Erlebnisse teilen. Da ich noch einige Themen gesammelt habe, werde ich auch weiterhin über Erlebnisse in Thailand schreiben und so den Blog weiter führen in der Zeit, in der ich in Deutschland sein werde. Denn ich werde Ende September nach Mae Sai, der nördlichsten Stadt Thailands, und Baan Doi zurück kehren.

Weitere Ziele für das Jahr in Thailand waren Thailändisch zu lernen, alle Jahreszeiten mitzuerleben und jedes Obst in seiner Saison essen zu können. Naja, Thai zu lernen ist nicht ganz einfach. Ich habe immer die Ausländer beneidet, die mit den Thais reden können oder sie sogar zum lachen bringen können. Das ist mir nur zum Teil gelungen. Sie haben zwar oft gelacht mit mir, aber eher über meine Wortdreher und Fehler ;-)

Dafür habe ich definitiv alle Jahreszeiten intensiv erlebt. Zuerst die Regenzeit mit zum Teil heftigen Regengüssen, dann den Winter mit Temperaturen bis runter auf 8 Grad (das ist verdammt wenig, wenn es keine Heizung, keine heiße Dusche und keine Wärmedämmung in den Häusern gibt) und am Schluss die heiße Jahreszeit mit schwüler Hitze. Dazwischen gab es den berühmt-berüchtigten Smog in Nordthailand als durch Brandrodungen, aber auch Müllverbrennungen üble Zustände herrschten.

Ich habe mich eingelassen auf Thailand und meine jetzt die Soziokultur besser verstehen zu können. Im September wird das Abenteuer dann weiter gehen. Wie und wie lange? Und danach? Das weiß ich alles nicht. Denn wie lautet die Definition eines Abenteuers: ein Erlebnis, das sich stark vom Alltag unterscheidet und dessen Ausgang ungewiss ist.

In diesem Sinne: Auf zu neuen Abenteuern!

Vielen Dank für euer Interesse an meinem Blog. Für Anregungen, Rückmeldungen und Kommentare bin ich offen.

4 thoughts on “Ein Jahr ohne Auto, warme Dusche und Deo

  1. Lieber Stefan, schön, wieder was von dir zu lesen. Vielleicht schaffen wir es im Sommer mal mit einem Treffen, bevor du wieder gen Thailand fliegst! Würde mich freuen!
    Herzliche Grüße…Bettina

    1. สวัสดีสเตฟาน ฉันหวังว่าคุณจะได้เริ่มต้นที่ดีในเยอรมนี เราจะพบกันอีกครั้งในเดือนกันยายน สวัสดีครับปีเตอร์

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